Berliner Linke : Jenseits von Lafontaine

Die im Berliner Landesverband der Linkspartei starken Reformer wollen dem charismatischen Parteichef Lafontaine Paroli bieten. Doch das wird ein Drahtseilakt, denn nicht wenige Sektierer in der bunt zusammengewürfelten Partei warten nur darauf, die pragmatischen Genossen des Verrats überführen zu können.

Lars von Törne

Für den Sozialdemokraten Klaus Wowereit ist der Fall klar: Die Berliner Linke steht „unter dem Diktat ihres Bundesvorsitzenden Oskar Lafontaine“, schimpfte der Regierende Bürgermeister vor gut einem Jahr, als ihn sein kleiner Koalitionspartner dazu zwang, sich im Bundesrat zum von der Linken abgelehnten EU-Reformvertrag zu enthalten. Auch Carl Wechselberg, vor kurzem im Streit aus der Linken ausgetretener Haushaltspolitiker im Berliner Abgeordnetenhaus, begründete seinen Rückzug mit der „Radikalisierung“ unter Lafontaine. An diesem Wochenende nun wollen die vor allem in Berlin starken Reformer dem charismatischen Parteichef Paroli bieten. Das wird ein Drahtseilakt, denn nicht wenige Sektierer in der bunt zusammengewürfelten Partei warten nur darauf, die pragmatischen Genossen des Verrats überführen zu können. Dennoch kommen die Berliner nicht um die Auseinandersetzung herum, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit nicht aufs Spiel setzen wollen. „Unterschiede deutlich machen, geschlossen agieren“, ist das Motto der Reformer. Mal sehen, wie lange sich das im Vorfeld des 27. September noch auf die Berliner Regierungskoalition anwenden lässt. lvt

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