Berliner Parkgebühren : Wie geschmiert

Man muss an der richtigen Stellschraube drehen und schon läuft alles wie geschmiert. Die Verdoppelung des Bußgelds für Autofahrer, die ohne Parkschein erwischt werden, ist dafür ein glänzendes Beispiel. Zehn statt fünf Euro – und selbst dem Rechtsstaat eher locker verbundene Berliner kaufen sich häufiger ein Ticket für die Parkzone. Die bezirklichen Ordnungsämter und Finanzstadträte sind beglückt, denn mit weniger Aufwand lassen sich deutlich höhere Einnahmen erzielen. Falsch ist aber die Vermutung des Stadtrats von Berlin-Mitte, dass mit dem Preis fürs Knöllchen die Ehrlichkeit der Menschen steige. Selbst gute Menschen sind, grob geschätzt, höchstens zu 80 Prozent ehrlich. Das gilt auch für den schicksalhaften Moment, wo sie vor dem Parkautomaten stehen. To buy or not to buy? Es ist nur eine kühl kalkulierte Risikoabwägung, die den Autofahrer in Berlins City zum ordentlichen Staatsbürger macht. Für ein Bußgeld von zehn Euro kann man nämlich drei bis vier Mal legal parken. Das nennt sich positive Motivation. Wozu der Staat alles fähig ist! Das funktioniert aber nur, wenn Bösewichte tatsächlich ab und zu erwischt werden. Insofern wäre es schön, wenn sich Ordnungshüter bald auch dem fließenden Auto- und Radverkehr widmen. Da lauern so viele Einnahmequellen. za

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