Berliner Plätze : Mehr Licht für den Hansaplatz!

Elisabeth Binder wünscht sich weniger düstere Ecken am Hansaplatz. Außerdem noch Delikatessen, ein richtig schönes Café, eine Minigolfbahn und . . . Sie ist nicht allein mit diesem Wunsch.

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Der 50er Jahre Charme des Hansaplatzes verblasst. Denn die Zahl der Bewohner ist rückläufig - und das hat Auswirkungen auf das ganze Viertel.Alle Bilder anzeigen
Foto: Thilo Rückeis
19.04.2012 21:21Der 50er Jahre Charme des Hansaplatzes verblasst. Denn die Zahl der Bewohner ist rückläufig - und das hat Auswirkungen auf das...

Das kranke Herz des Hansaviertels seufzt unter Rost und krakeligen Graffiti auf blassen Fünfziger-Jahre-Kacheln. Was könnte man alles machen auf dem Hansaplatz am Rande des Tiergartens, mitten in dem Viertel, das zur Internationalen Bauaustellung 1957 Symbol war für eine neue, von Architekten aus aller Welt inspirierte Lebensqualität auf den Ruinen des Zweiten Weltkriegs? Nach dem Fall der Mauer blühte die Stadt ringsum auf. Aber ausgerechnet hier haben sich die Träume bis heute nicht erfüllt. Egal, ob bei der Weinprobe im Gemeindesaal von St. Ansgar oder bei der Party in der Peripherie des Hansaviertels, immer wieder kommt die Frage auf, warum der Hansaplatz so ist, wie er ist: heruntergekommen, schäbig. Warum kann ein Platz, der mitten in Berlin und gleichzeitig mitten im Grünen liegt, nicht eine attraktive Ansammlung von Geschäften und Lokalen haben? Eine bessere Lage gibt es doch kaum.

Wo früher der nette Besitzer des Fotoladens Generationen von Urlaubsbildern entwickelte, leuchtet jetzt grellbunt ein Internetcafé mit Spätverkauf. Ein Blick von Weitem reicht, um zu sehen, was die Menschen spät noch brauchen: sehr viel Bier, außerdem Zigaretten und Schnaps. Gleich um die Ecke bietet der voll gestopfte Textilladen Billigklamotten an. Draußen hängen dicht gedrängt Gummizughosen und geblümte Nachthemden. Muss das so aussehen an diesem Ort?

Seit der Blumenladen unter vietnamesischer Regie steht, bekommt man dort preiswerte bunte Sträuße. Nur die Farbwahl bei den Adventskranzkerzen kriegen sie nie hin, die ist zu kitschig. Das krempelige Dienstleistungscenter macht definitiv keine Lust, dort Schuhe reparieren zu lassen. Zur Kleiderreinigung lädt es schon gar nicht ein. Warum kann da nicht mal eine blitzmoderne Reinigung einziehen? Gleich nebenan gibt es Wein und Schokolade für Besserverdienende und Heimatkunde vom Bürgerverein in Gestalt von Büchern und historischen Postkarten.

Tagesspiegel-Autorin Elisabeth Binder
Tagesspiegel-Autorin Elisabeth BinderFoto: Kai-Uwe Heinrich

Die Apotheke gegenüber atmet Leistungswillen und ist so eine Art Star des Platzes, weil man mit Apotheken nun mal genug Geld verdient, um ein modernes, gut ausgeleuchtetes Ambiente zu schaffen. Daneben befinden sich zwei Postschalter mit angeschlossenem Schreibwarenladen. Nützlich! Dort muss man auch nie so lange anstehen wie früher in der alten Post. Der türkische Feinkostladen reüssiert leider auch als „Obstgarten“ nicht. Das liegt nur zum Teil an den Preisen. Auch hier wirkt die Einrichtung total angestaubt.

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