Berliner Schloss : Für die Fremden

Das Konzept zum Umbau des Schlossplatzes überzeugt nicht. Vor allem wird er den Sog der Kultur nach Mitte verstärken. Aber Touristen wird der Bau anlocken - und von denen lebt die Stadt so gut wie sonst von niemandem.

Werner van Bebber

Die Bundesregierung meint es gut mit Berlin, da soll sich Klaus Wowereit nichts vormachen. Eher unerwartet hatte Bauminister Wolfgang Tiefensee vor Wochen angekündigt, dass der Bund das Humboldt-Forum auf dem Schlossplatz mitbezahlen will. Jetzt legt Kollege Finanzminister Peer Steinbrück nach. Rechtzeitig vor dem Landesparteitag der Berliner SPD geriert er sich als Freund und Förderer der Hauptstadt. In Gedanken sieht man schon die Fotos mit Politikern als Spatenstechern vor sich. Das Vorhaben, ob man es Humboldtforum nennt oder Schloss, hat nicht nur Fans und Freunde in Berlin. Das Konzept zur Füllung und Bespielung der Räume mit so manchem, was unter Kultur läuft, überzeugt noch nicht. Darüber hinaus wird alles, was im allerweitesten Sinn mit „Schloss“ überschrieben werden kann, den Sog der Kultur nach Mitte verstärken. Natürlich nehmen nur Snobs und ein paar altmodische Bildungsbürger an, dass es in der neuen Mitte mehr auf die Performance als auf die Inhalte ankommen wird, nach dem Motto: Drei Museen in zwei Stunden, der Bus wartet. Aber was soll’s? Die Stadt und ihre Besucher bekommen, was sie verdienen. Und Berlin lebt von nichts und niemandem so gut wie von den Touristen.

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