Meinung : Berliner Tempo

ORDNUNGSÄMTER FÜR DIE HAUPTSTADT

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In der Berliner Politik dauert fast alles ein bisschen länger. Deshalb hat es auch ein ambitionierter Staatssekretär nicht schaffen können, in ein paar Wintermonaten Ordnungsstreifen in Dienst zu stellen, die dem unordentlichen Teil der Berliner Bevölkerung die zivilisatorischen Standards etwas näher bringen sollen. Man war sich wunderbar einig in der Berliner Politik, dass Ordnungsstreifen auf den hundekotverdreckten Berliner Straßen mahnend und Ordnungsgelder kassierend Patrouille laufen sollen. Man war sich einig, dass die Grill und Vermüllungsorgien im Sommer ein Ende haben sollen. Doch wie im Senat und im Abgeordnetenhaus üblich, hat man erst mal nichts überstürzt, bevor man den Entschluss fasste, genauso zu handeln wie in Frankfurt und Köln und Stuttgart. Es gibt zwei Gründe dafür, dass solche Entscheidungen in Berlin mehr Zeit brauchen als anderswo – einen strukturellen und einen polit-psychologischen. Erstens müssen in Berlin die Senats- und die Bezirksverwaltungen zusammenkommen – das dauert (und ist im Fall Ordnungsämtern sogar schnell gegangen). Zweitens müssen Missstände in Berlin lange und fast kampagnenhaft beklagt werden, bevor der Senat sich ihrer annimmt. Die Befassung mit allem, was stinkt und die Leute ärgert, überlässt der Senat gewohnheitsmäßig den Bezirken. wvb.

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