Berliner Tische : Zwischen den Stühlen

Wasser-, Energie- und S-Bahn-Tisch: Überall wollen die Berliner mitreden. Billiger wird das Leben dadurch nicht.

Stefan Jacobs

Sperrig sind sie, die Berliner Tische. Und inzwischen so zahlreich, dass sie abgewetzt erscheinen mögen: Wasser-Tisch, Energie-Tisch, S-Bahn-Tisch. Alle sind für mehr Staat statt für privat und für Wohltaten zugunsten der Bürger: billigeres Wasser von personell üppig ausgestatteten Wasserbetrieben; Ökostrom zu einem vom direkt gewählten Verwaltungsrat festgelegten Sozialtarif; mehr Personal bei der S-Bahn, die am besten schon morgen neue Züge spendiert bekommen soll. Deshalb geraten alle drei Tische bei genauer Betrachtung ins Wackeln: Beim Wasser merken die Bürger gerade anhand einer überraschend geringen Erstattung, dass es schon bisher gar nicht so teuer war. Wie sich ein sozial wohltätiges Stadtwerk gegen 300 bereits vorhandene Angebote am Markt behaupten soll, muss der Energie-Tisch noch vorrechnen. Und funktionierende S-Bahnen per Fingerschnipp konnte selbst David Copperfield in seinen besten Zeiten nicht liefern. Trotzdem ist es gut, dass es die Tische gibt. Denn die von ihnen forcierten Volksbegehren zwingen den Berliner Senat, sich mit Großthemen zu befassen, die er sonst vielleicht aussitzen würde – zum Schaden der Bürger. obs

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