Berlins Bürgerämter : Quell des Ärgers

Sechs Stunden auf die Beglaubigung einer Kopie warten? Einen Arbeitstag hingeben, um einen Personalausweis zu beantragen? Muss das sein? Nein, muss es nicht. Das darf man Schikane nennen: Tausendfach passiert das jeden Tag, nicht in irgendwelchen Ländern mit zweifelhafter demokratischer Verfasstheit, sondern in der Bundeshauptstadt. Jeder Besuch im Bürgeramt, jede Auto-Ummeldung wird hier zum Quell des Ärgers – und es wird schlimmer. Und der Senat hält sich raus. Für den Bürger, der sich zumeist ja nicht danach drängt, mit der Bürokratie in Berührung zu kommen, wird jeder Besuch im Bürgeramt zur Bestätigung seiner Geringschätzung. Es erinnert ihn aber auch daran, dass der Senat einst eine Verwaltungsreform versprach, von der seit einiger Zeit nichts mehr zu hören ist. Wurde nicht von Finanzsenator Thilo Sarrazin jede Verwaltungshandlung zu einem Produkt umgerechnet? Dass zum Produkt auch ein Kunde gehört, und dass Bürokratie vor allem eine Dienstleistung ist, verhallte in den toten Fluren der Verwaltung. Es scheint, als habe der notwendige Personalabbau im öffentlichen Dienst sich zur Strafe ausgerechnet dort konzentriert, wo sich Bürokratie und Bürger berühren. Wie in der DDR, möchte man sagen – wenn man nur wüsste, wem man dabei Unrecht tut. gn

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