Berlins Fluglärm : Wummern über Wannsee

Kurze Wege zum Flughafen und trotzdem kein Fluglärm mehr – das lässt sich offenbar nicht vereinbaren. Einige der für den neuen Flughafen in Schönefeld vorgesehenen Flugrouten führen schnurstracks über die Stadt.

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So haben wir uns die Entlastung vom Fluglärm gewiss nicht vorgestellt. Im Norden der Stadt wird es zwar leiser, wenn der neue Flughafen in Schönefeld eröffnet und Tegel geschlossen ist, doch über dem Zentrum und dem Süden soll es dafür ziemlich laut werden. Einige der für den neuen Superflughafen vorgesehenen Flugrouten führen nämlich schnurstracks über die Stadt. Die Maschinen werden zwar nach dem Start schon recht hoch sein, doch hören wird man sie können. Und über Wannsee besonders, denn dort fliegen sie noch verhältnismäßig niedrig ihre Kurven.

Das ist der Nachteil des stadtnahen Großflughafens. Kurze Wege zum Flughafen und trotzdem kein Fluglärm mehr – das lässt sich eben nicht vereinbaren, wie sich nun zeigt. Dabei hatten die Richter beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig die Baugenehmigung für Schönefeld ausdrücklich auch damit für rechtens erklärt, dass nach dem Schließen von Tegel und Tempelhof Hunderttausende von Berlinern vom Fluglärm entlastet würden. Funktioniert hätte dies wohl nur, wenn der neue Flughafen rund 40 Kilometer von Berlin entfernt bei Sperenberg gebaut worden wäre. Dieser damals von Brandenburg favorisierte Standort war am Widerstand des damaligen Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen (CDU) und der damaligen Bundesregierung gescheitert.

Meinte man in Berlin bisher, die mit einem Flughafen verbundenen Nachteile, wie eben der Krach, seien ein Problem der Bewohner nur im unmittelbaren Umfeld des Airports, muss man nun umdenken. Jetzt wird es auch für viele Stadtbewohner spannend, wie die Nachtflüge in Schönefeld geregelt werden. Nach bisherigem Stand soll es bis 24 Uhr am Himmel dröhnen dürfen; und morgens könnten die ersten Maschinen bereits nach 5 Uhr abheben, wenn die bisherigen Pläne durchgehen.

Noch ist nichts entschieden. Und die ausgearbeiteten Routen sind ein Vorschlag der Flugsicherung, streng am Gesetz orientiert. Doch Vorschläge können geändert werden. Fest steht nur, dass Berlin viel größere Probleme mit dem neuen Flughafen haben wird, als bisher angenommen worden war.

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