Berlins Gymnasien : Konzept im Übergang

Jetzt, da Bildungssenator Zöllner nicht mehr darauf beharrt, die Hälfte der Plätze an begehrten Schulen zu verlosen, wird der Blick frei auf die Pluspunkte seines Konzeptes. Dazu gehört, dass er jedem Kind die Chance geben will, sich auf einem Gymnasium zu beweisen.

Susanne Vieth-Entus

Der Rauch hat sich verzogen – und plötzlich zeigt sich, dass es doch möglich ist, in dieser Stadt den Übergang zum Gymnasium zu regeln. Jetzt, da Bildungssenator Zöllner nicht mehr darauf beharrt, die Hälfte der Plätze an begehrten Schulen zu verlosen, wird der Blick frei auf die Pluspunkte seines Konzeptes. Dazu gehört, dass er jedem Kind die Chance geben will, sich auf einem Gymnasium zu beweisen, falls auch die Eltern dies ihrem Kind zutrauen.

Was das bedeutet, kann gar nicht hoch genug bewertet werden: Es nimmt Eltern und Kindern die Angst, wegen ein paar verhauenen Klassenarbeiten in der letzten Grundschulklasse für alle Zeiten vom Gymnasium verbannt zu werden. Es nimmt den Grundschullehrern die Sorge, mit ihren Zensuren „Schicksal“ zu spielen, während sie doch wissen, dass es keine wirklich objektiven Noten gibt. Wenn heute rund 80 Prozent der Kinder ohne Gymnasialempfehlung das Probehalbjahr im Gymnasium schaffen, dann spricht vieles dafür, sich nicht auf diese Empfehlungen zu verlassen.

Zöllners Konzept mit seinem liberalen Zugang zum Gymnasium besitzt aber noch einen weiteren wichtigen Vorteil: Es verhindert, dass in der Innenstadt viele Gymnasien schließen müssen. Gymnasien, die eben deshalb bisher überleben können, weil sie auch Kinder mit schwächeren Leistungen aufnehmen. Dennoch schaffen viele dieser Kinder letztlich das Abitur.

Wer den Elternwillen schützen und eine größtmögliche Chancengerechtigkeit erreichen will, muss die so entstehende Übernachfrage kanalisieren. Lange wurde dies über das Kriterium der Wohnortnähe versucht, was aber nur neue Ungerechtigkeiten schuf – und Eltern zu gefälschten Adressen greifen ließ. Somit bleibt nur das Losverfahren. Falls Zöllner durchsetzen kann, dass nicht die Hälfte der Bewerber ins Losverfahren kommt, sondern nur jenes Viertel oder Fünftel, das bei einem NC gänzlich chancenlos gewesen wäre, dann ist dies ein Kompromiss, wie er besser nicht zu finden war. Jetzt, da sich der Rauch verzogen hat. sve

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