Berlins neue Regierung : Wowereits Senatsreserve
28.11.2011 22:54 Uhr
Es kam anders. Eine gute Senatorin kann Sybille von Obernitz dennoch werden, Erfahrung, Kontakte und Vertrauen der IHK hat sie jedenfalls; doch bleibt einstweilen von der groß angelegten Operation Wirtschaft die amputierte Bildung zurück. Nur Zyniker mögen sagen, dass Sandra Scheeres, künftig zuständig für Schule und Universitäten, mit Forschung bisher ohnehin nicht viel zu tun gehabt hat. Und wenn es im Koalitionsvertrag heißt: „Unsere einzigartige Bildungs- und Wissenschaftslandschaft ist Anziehungspunkt für Unternehmen“, so gilt gleiches leider nicht für die Schullandschaft. Da gibt es also genug zu tun – oder, zur Abwechslung, auch mal zu lassen. Der Schulreformeifer des anerkannten Universitätsexperten Jürgen Zöllner, Vorgänger von Scheeres, sollte nicht unbedingt stilbildend sein. Seine Autorität aber muss sich Sandra Scheeres erst noch erwerben.
Das gilt auch für andere im neuen Senat, der eine Berliner Lösung ist, in jeder Hinsicht. Der junge Mario Czaja ist ein gutes Beispiel dafür: hoch talentiert, hoch gelobt, bekommt er zur Gesundheit Soziales dazu, kein reiner Spaß in Berlin. Und Dilek Kolat wird nicht aufs Integrationsfach begrenzt, sondern hat auch die Arbeit und Frauen dabei. Frank Henkel als Innensenator muss einen Ehrhart Körting erst mal ersetzen, Michael Braun als Justizsenator Gisela von der Aue. Michael Müller darf endlich zeigen, aber muss es dann auch, dass er mehr kann, als eine Partei und eine Fraktion zu führen; jetzt kommt eine Riesenverwaltung dazu, die für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr. Sieben neue auf einen Streich, das ist fürwahr ein neuer Senat, der auch seine Chance bekommen soll. Nur Ulrich Nußbaum, Finanzen, ist noch dabei aus der Zeit von Rot-Rot, und, na ja klar Klaus Wowereit. Den prätentiösen Anspruch aus der Präambel hatte er übrigens gleich mit dem nächsten Satz schon wieder spielerisch-selbstironisch gebrochen: „Wir wollen, dass Berlin reicher wird und sexy bleibt.“ Die Erwartungen sollten also nicht allzu hoch sein. Dann geht’s vielleicht auch so.









