Berlins S-Bahn im Chaos : Die richtige Geste

Ratlose Touristen geistern über Bahnhöfe, aber auch Berliner finden sich nachts nur schwer zurecht. Die Verantwortlichen bei der S-Bahn müssen ihrem Notfahrplan feilen – und an ihrer Kommunikation. Noch klappt da zu wenig.

Ralf Schönball

Nein, der Verkehr ist nicht zusammengebrochen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist: Daraus schließt so mancher jetzt, dass es doch gar nicht so schlimm ist, wenn mal eben drei Viertel aller S-Bahn-Verbindungen ausfallen. Das ist ein Trugschluss. Die Berliner sind bekanntlich krisenresistent. Sie meckern – und stellen sich auf die Notlage ein. Sich einrichten im Chaos heißt dieser Tage: aufs Rad umsteigen oder aufs Auto. Das geht aber auch nur deshalb gut, weil es Sommer ist, viele Berliner an der Ostsee liegen oder an sonst einem Urlaubsort weilen. Das wird sich ändern: Wenn die Schule wieder beginnt und die kalte Jahreszeit kommt. Wenn die Stadt wieder voll ist. Deshalb müssen die Verantwortlichen bei der S-Bahn gerade jetzt an ihrem Notfahrplan feilen – und an ihrer Kommunikation. Noch klappt da zu wenig. Ratlose Touristen geistern über Bahnhöfe, aber auch Berliner finden sich nachts nur schwer zurecht. Deshalb ist es richtig, dass nun einige S-Bahner aus der Verwaltung und sogar Lokführer, deren Züge in den Werkstätten stehen, auf Bahnhöfen Rat geben. Das ist eine Geste, die das ramponierte Image der S-Bahn aufpoliert, ein Anfang.

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