Berlins Schloss : Der Geist ist schwach

Kann man ein Schloss verschieben? Am Potsdamer Platz ist so ein Kunststück schon einmal gelungen.

Der historische Kaisersaal wurde in Marsch gesetzt und in voller Pracht erhalten. Die Operation Stadtschloss bewegt sich in anderen, nebulösen Zonen. Zwar hat der Bundestag den Wiederaufbau beschlossen, wurde ein Architekturwettbewerb entschieden, und mit dem Humboldt-Forum für außereuropäische Kulturen gibt es eine feine Idee, wie das Innenleben der Riesenschachtel aussehen könnte. Jetzt aber steht das 550-Millionen-Euro-Projekt offenbar auf der Sparliste der Bundesregierung. Von einem Moratorium des gigantischen Bauvorhabens ist die Rede: Baubeginn erst 2013? Muss die Hauptstadt sich an die große Freifläche in ihrer Mitte gewöhnen? Und warum auch nicht? Dem Bau fehlte von Anfang an die Akzeptanz. Die Bundeskanzlerin hat das Schloss nie in den Rang eines grand projet für die Nation erhoben, wie man die herausragenden Jahrhundertbauten in Paris nennt. Auch der Regierende Bürgermeister zeigt sich in der Schlossfrage leidenschaftslos. Mal mit, mal ohne Kuppel: Die Planungen sind nicht zwingend. Dass das Schloss vor der großen Sparklausur überhaupt zur Debatte steht, zeigt die ganze Malaise. Es ist antastbar. Eine Verschiebung wäre der Anfang vom Ende. Dann hätte das Schloss seinen ohnehin schwachen Geist ausgehaucht. R. S.

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