BERTHOLD HUBER : „Nicht immer nur mit ,Nein‘ reagieren“

Der Philosoph kommt: Berthold Huber, designierter IG-Metall-Chef, im Porträt.

Alfons Frese

Die Zeit war noch nicht reif vor vier Jahren. Das heißt: Die IG Metall war damals nicht so weit, um einen eher leisen, nachdenklichen Typ, der dazu auch noch kompliziert redet, ganz nach vorne zu lassen. Berthold Huber wurde im Sommer 2003 nicht Gewerkschaftsvorsitzender, sondern Jürgen Peters. Auch deshalb, weil diesem das klassenkämpferische Vokabular leichter über die Lippen kommt und der traditionelle Industriearbeiter eher etwas mit ihm als mit Huber anfangen kann. Wenn Peters den „Terror der Ökonomie“ verflucht, warnt Huber davor, „immer nur reflexartig mit ,Nein‘ zu reagieren“.

Huber wurde 2003 zweiter Chef, und in den folgenden Jahren haben Peters und er gemeinsam die Gewerkschaft sauber geführt und die schwere Niederlage im Arbeitskampf um die 35-Stunden- Woche in Ostdeutschland vergessen gemacht; jedenfalls im Westen. Peters, der vermeintliche Rabauke, geht im Herbst in den Ruhestand und macht Platz für Huber.

Nach dem Abitur machte Huber, 1950 als Sohn eines Ingenieurs in Ulm geboren, eine Werkzeugmacherlehre beim Bushersteller Kässbohrer, wo er später Betriebsratschef wurde. Mitte der 80er Jahre studierte er Philosophie, Geschichte und Politik in Frankfurt. Bis heute wird der dreifache Vater in der IG Metall gelegentlich als Philosoph tituliert. Nach der Wende, des Studierens überdrüssig, ließ er sich von der Gewerkschaftszentrale in den Osten schicken, um dort beim Aufbau der Organisation zu helfen. Das Gastspiel war kurz, denn nur ein Jahr später holte der damalige IG-Metall-Chef Franz Steinkühler das politische Talent Huber zurück nach Frankfurt. Er arbeitete für Steinkühler und anschließend für den zweiten Vorsitzenden, Walter Riester.

Richtig mächtig wurde der eher intellektuelle Ulmer 1998, als er den Posten des Bezirkschefs von Baden-Württemberg bekam. Baden-Württemberg ist neben Nordrhein-Westfalen der größte und einflussreichste Bezirk, dort werden in der Regel die Tarifabschlüsse gemacht. Und Huber hat einige ordentliche Abschlüsse erreicht und sich als Modernisierer des Tarifsystems (Qualifizierungstarif, mehr tarifliche Spielräume für die Betriebe) für den Posten an der Spitze der 2,3 Millionen Metaller empfohlen. Das war vor vier Jahren, doch die Gewerkschaftsgremien folgten nicht dem Votum des damaligen Vorsitzenden Klaus Zwickel. Also wurde Peters Chef. Doch jetzt ist die IG Metall reif für Berthold Huber. Alfons Frese

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