Berti Vogts wird Klinsmann-Berater : „Ich werde hier alles genau verfolgen“

Er ist weder Feingeist noch Schönredner. Doch Berti Vogts ist erfolgreicher Trainer. Die Die USA werden seinen Ideen und Erfahrungen profitieren

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Da war Berti noch der Chef. Jürgen Klinsmann (links) holt seinen ehemaligen Bundestrainer als Berater ins US-amerikanische Team.
Da war Berti noch der Chef. Jürgen Klinsmann (links) holt seinen ehemaligen Bundestrainer als Berater ins US-amerikanische Team.Foto: Imago

Man kann über Berti Vogts sagen, was man will, leider wird ihm das meistens nicht gerecht. Speziell in Deutschland wird er verkannt. Auch dass ihn jetzt Jürgen Klinsmann als Berater zur US-Auswahl geholt hat, lässt die Menschen hierzulande nicht anders denken. Für die meisten Deutschen ist Berti Vogts immer der Terrier geblieben, der Wadenbeißer, der er als Spieler war. Als rechter Verteidiger machte er Jagd auf alles, was sich in seinem Umfeld bewegte. Dass er das in über 400 Bundesligaspielen für Borussia Mönchengladbach und 95 Länderspielen in einer seltenen Qualität tat, dabei über 40 Tore erzielte und so ziemlich alle Titel gewann, die es zu gewinnen gab, wird dabei ebenso gern übersehen wie seine Leistungen als Trainer.

Schon unter Teamchef Beckenbauer war Vogts insbesondere beim WM-Gewinn 1990 weit mehr als ein Hütchenaufsteller: Er war maßgeblich für die taktische Ausrichtung des Teams zuständig. Unter ihm als Bundestrainer (1990 bis 1998) absolvierte die Nationalelf 102 Spiele, sie verlor nur zwölf. Joachim Löw steht derzeit auch bei 102 Spielen als Bundestrainer – bei 15 Niederlagen. Zusätzlich hat der inzwischen 67-jährige Vogts Löw noch den bisher letzten großen Titel für den deutschen Fußball voraus – die Europameisterschaft 1996 in England.

Zum Teil liegt der spezielle Umgang der Öffentlichkeit mit der Person Vogts an den enttäuschenden Auftritten bei zwei Weltmeisterschaften. Sowohl 1994 als auch 1998 war im Viertelfinale Schluss. Auch dass Vogts mit der fast kompletten WM-Elf von 1990 plus den ostdeutschen Topspielern Doll, Sammer und Thom im EM-Finale 1992 den Dänen unterlegen war, verziehen ihm die deutschen Fußballfans lange nicht. Dass die Dänen seinerzeit einen Jahrhundertjahrgang beisammenhatten, wurde ebenso ignoriert wie der Umstand, dass Vogts wie keinem vor ihm an der Entwicklung des Nachwuchses gelegen war.

Zweifellos steht dem Mann aus Büttgen sein bisweilen ungelenker Umgang mit den Medien im Weg. Vogts ist weder Feingeist noch Schönredner, was ihm leider zum Nachteil ausgelegt wird. Gelegentlich wirken seine Sätze wie komische Kraftmeierei, nur im kleinen, nicht öffentlichen Kreis, kann er ein charmanter Unterhalter sein.

Die USA werden von Vogts’ Ideen und Erfahrungen profitieren. Es gibt nur vier Trainer weltweit, die auf mehr Länderspiele zurückblicken können als er.

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