Beschneidungsurteil : Es wird politisch

Der Ton wird schärfer, die Warnungen alarmistischer. Zu Recht? Ja, wir sind stolz auf „unsere“ Gewaltenteilung, ja, das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit und das Kindeswohl stehen ganz oben. Aber Religionsfreiheit auch. Und die Tatsache, dass jüdisches Leben in Deutschland ein Geschenk ist, genauso wie muslimisches im Übrigen, kann nicht oft genug gesagt werden. Haben die Richter das schlicht ignoriert, hat es sie nicht zu interessieren? Man muss nicht die ganz große Keule des Holocaust-Vergleichs herausholen, um berechtigte Argumente gegen das Kölner Beschneidungsurteil zu finden, gegen die plötzliche Kriminalisierung einer uralten religiösen Tradition. Genauso haben auch die Befürworter das Recht, auf medizinische Gefahren und mögliche Spätfolgen des Eingriffs hinzuweisen. Fest steht: Die Verunsicherung ist riesig. Und der Fall wird immer politischer. So politisch, dass sich auch immer mehr Regierungsmitglieder zu Wort melden. Und dass man davon ausgehen kann, dass das Urteil so keinen Bestand haben wird. Die Europäische Rabbinerkonferenz hat Beschneidung als das „Grundgesetz der jüdischen Religion“ bezeichnet, nicht mehr und nicht weniger. Das gilt es zu beachten, wenn, ja, wenn der Satz mit dem jüdischen Leben in Deutschland eine Bedeutung hat. jul

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