Meinung : Beschwert

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Nun beschwert er sich darüber, dass ihn einige zur Unperson machen wollten, Günter Grass, der gleichsam im Schlusskapitel sein Leben umschreibt. Das ist eine der anmaßend klingenden Bewertungen, die auf ihn zurückfallen. G. G., der Deutschland Mores lehrte, und nicht nur Deutschland, der Ronald Reagan, Helmut Kohl, andere zur Unperson erklärte – er beklagt sich. Wenn das nicht eine Ironie der Geschichte ist, die er uns zu verkaufen versucht. Nein, die Geduld schwindet, sich durch Sprachbombast zu kämpfen; jetzt bloß kein Pathos des Missinterpretierten, des im Missverhältnis Kritisierten. Er, der verletzte (man lese nach, was er zu Bitburg und dem Treffen Kohl-Reagan über den Gräbern der Waffen-SS schrieb), Grass also erwartet, dass man mit ihm fühlt? Dass man sein jahrzehntelanges Schweigen versteht? Dass man als späten Mut auslegt, was er jetzt sagt? „Wahrheitströpfler“ hat ihn der Historiker Michael Wolffsohn genannt – ein ätzender Begriff, wie Grass ihn hätte prägen können. Wer weiß, was noch kommt. Er weiß. Und man möchte ihn fragen, in der Weise, in der er über andere geurteilt hat. Denn er hat so viele beschwert. cas

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