Meinung : Besuch vom Schurken

M.G.

Keine leichte Aufgabe für die iranische Diplomatie. Seit Präsident Bush die Achse des Bösen ausgerufen hat, ist das Land auf seine alte Rolle zurückgeworfen - die einer Paria-Nation. Innenpolitisch sehen sich Teherans Reformer durch die starken amerikanischen Worte zum unfreiwilligen nationalen Schulterschluss mit den Konservativen gezwungen. Außenpolitisch sind alle Versuche Präsident Chatamis, die Kontakte zu den USA wieder anzuknüpfen, gescheitert. In dieser Lage setzt Irans Außenminister Charrasi auf Deutschland und Europa als Gegengewicht zu den US-Drohgebärden. Denn die Beziehungen der stolzen Erben einer dreitausendjährigen Geschichte zum alten Kontinent sind - trotz schwerer Irritationen - nie abgerissen. Zudem empfindet Teheran die Anwesenheit deutscher Schutztruppen beim Nachbarn Afghanistan als unproblematisch - im Gegensatz zu den US-Aktionen. Iran fürchtet, Washington könnte die Attentate des 11. September nutzen, sich im Mittleren Osten auf Dauer festzusetzen. Dies ließe die im Lande immer noch empfindlich wachen Erinnerungen an die Kolonialzeit wieder aufleben. Und dies könnte Irans mühsam erworbene Stellung als einflussreiche Regionalmacht sehr bald untergraben.

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