Beziehungsfragen : Lieber keine Liebe am Arbeitsplatz

Alleinsein ist manchmal vielleicht doch besser. Denn Beziehungen und Flirts im Büro sind ebenso wenig ratsam wie die Anbahnung eines Techtelmechtels via Twitter und Facebook - so, wie bei Oliver Pocher und Sabine Lisicki.

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Ein Paar küsst sich.
Liebe in sozialen Medien: fatal. Die Suche nach Liebe am Arbeitsplatz: falsch.Foto: dpa

Wenn der Mensch alleine ist, dann ist alles gut, aber sobald er sich in Gesellschaft aufhält, werden die Dinge kompliziert und der Mensch sucht nach Orientierung: Was kann, was darf, was muss ich machen, wenn andere in meiner Nähe sind?

Der kategorische Imperativ reicht den Menschen schon lange nicht mehr aus, um ihr Handeln auf das Gegenüber abzustimmen – im Berliner Straßenverkehr richten sich die Menschen auch eher nach dem egoistischen Imperativ; auch in anderen Bereichen agiert der Mensch so, als sei er allein, obwohl er es nicht ist, ein Verhalten, das nach längere Zeit vor allem in Liebesbeziehungen zu beobachten ist.

Ach, die Liebe. Im Magazin „Neon“ war kürzlich von einer Sache zu lesen, die die schlauen Redakteure „Büromance“ getauft haben – das umfasst das Flirten im Büro, aber auch das verlieben, und angeblich lernt sich ja auch ein nicht geringer Prozentsatz aller Paare im Büro kennen, dem alten Pseudopsychologen-Hit „Man begehrt das, was man täglich sieht“ folgend.

Um es klar zu sagen: Ich stehe dem skeptisch bis ablehnend gegenüber und ich verweise auf eine alte Weihnachtsfeier-Regel: never fuck the same Kostenstelle. Gerade erst wurde in den USA ein Chefredakteur seines Amtes enthoben – einer der Gründe dafür war, so munkelt man, dass er ein Techtelmechtel mit einer Redakteurin gehabt haben soll. In den USA rät man aber auch Männern, niemals mit einer fremden Frau alleine Fahrstuhl zu fahren – das schreibe ich nicht aus einem antiamerikanischen Impuls heraus; ich schreibe das, weil ich das eigentlich ganz vernünftig finde.

Unser Kolumnist Matthias Kalle.
Unser Kolumnist Matthias Kalle.Foto: Privat

Liebe in sozialen Medien: fatal.

Dieser Tipp jedenfalls scheint mir vernünftiger zu sein als die Seminare, die man belegen kann, die unter dem Schlagwort „Business-Knigge“ kleinen Angestellten weismachen, mit ein paar seltsamen Regeln könne man es bis ganz nach oben schaffen. Nach ganz oben schaffen es nachweislich vor allem Psychopaten, die eher über Leichen gehen als sie zu grüßen. Vielleicht auch deshalb, weil das Grüßen so höllisch kompliziert ist.

In „Business Knigge Seminaren“ lernt man: „Wer den anderen zuerst sieht, grüßt.“ Ach so. Allerdings gilt im Büro, dass der Angestellte den Chef grüßt, egal, wer wen zuerst sieht. Über mögliches Händeschütteln jedoch entscheidet der Chef, denn anfassen darf immer nur der Mächtigere, womit wir im Prinzip schon mitten im kulturgeschichtlichen Dilemma stecken.

Doch die Gegenwart scheint noch komplizierter. Am Mittwoch war zu lesen, dass sich der „Moderator“ Oliver Pocher und die Tennisspielerin Sabine Lisicki ineinander verliebt hätten. Eine Annährung zwischen den beiden habe zunächst auf Facebook und Twitter stattgefunden – danach traf man sich persönlich (wobei bei so einer komplexen Persönlichkeit wie Oliver Pocher ja auch 140 Twitter-Zeichen ausreichen, um sich vollständig zu erklären).

Vor kurzem erschien eine Studie, in der ausgeführt wurde, dass die Suche auf Facebook nach Menschen, in die man in der Vergangenheit mal verliebt war, bei manchen mit einer Drogensucht zu vergleichen sei. Die Suche nach Liebe in sozialen Medien: fatal. Die Suche nach Liebe am Arbeitsplatz: falsch.

Vielleicht sollten manche Menschen doch besser alleine bleiben, abseits der Gesellschaft. Dann können sie nicht so viel verkehrt machen.

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