Meinung : „Bildung, Bildung, Bildung“

Stephan-Andreas Casdorff

So kommt frau ins Arkanum der Macht. Staatsministerin im Kanzleramt ist Maria Böhmer jetzt, aber nicht zuständig für Kultur, wie zunächst gemutmaßt wurde. Sie soll sich um Migration und Integration von Ausländern in eine Gesellschaft kümmern, deren politische Klasse gerade gebannt nach Frankreich schaut, um herauszufinden, ob das, was dort geschieht, sich auch hier zu Lande ereignen könnte. Böhmer wirkt da vielleicht auf den ersten Blick wie eine weniger maßgebliche Wahl.

Bei genauerem Überlegen ist sie das nicht. Sie hat sich 1982 in Erziehungswissenschaften habilitiert (will auch weiter lehren), und die Frage nach der richtigen Bildung und Erziehung beschäftigt diejenigen, die radikalen Anfängen wehren wollen. Hinzu kommt, dass Böhmer noch Politik studiert hat und überdies engste Kontakte zur Kirche unterhält. Die Frage, wie ein gesellschaftlicher Ausgleich und ein Dialog der Religionen gelingen kann, richtet sich an alle, die sich mit Ausländern befassen. Dass Böhmer ungeachtet ihrer sonstigen Ämter – sie ist im CDU-Vorstand und Vorsitzende der Frauen-Union – einer breiten Öffentlichkeit eher unbekannt ist, hat ihr bei Angela Merkel bestimmt nicht geschadet. Böhmer hat im Hintergrund viel bewirkt, so in der Stammzell-Frage. Man konnte aufmerksam werden, als Merkel kürzlich bei der Frauen-Union auftrat und umjubelt versprach, sie werde die Ansprüche der Frauen nicht übergehen. Böhmer, 1950 in Mainz geboren, ledig, passt dementsprechend gut ins Kanzleramt, wo mit ihr noch Hildegard Müller Staatsministerin wird. Beide sind mit der Kanzlerin gut vertraut.

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