Meinung : Bildungsunternehmen Schule

„Da krankt was am System“

vom 10. August

Grundsätzlich stimme ich Herrn Nowakowski darin zu, dass Lehrer keine hoheitsrechtliche Aufgabe haben und daher auch nicht Beamte sein müssten. Trotzdem ärgert mich die pauschale Polemik gegen die „Abgründe der Verbeamtung“, denn der Autor übersieht dabei mehrere wesentliche Aspekte.

Auch eine lediglich angestellte Lehrkraft ist nur sehr schwer aus dem Lehrerberuf zu entfernen, wenn sie sich als ungeeignet erweist. Außerdem bietet das Beamtenrecht sehr wohl disziplinarische Handlungsmöglichkeiten. Des Weiteren ignoriert Herr Nowakowski, dass (in einer Zeit, in der Lehrkräfte in manchen Fächern, zum Beispiel Physik, Chemie, Informatik, deutschlandweit Mangelware sind) fast alle anderen Bundesländer ihre Lehrer verbeamten. Daher verlassen etliche junge Lehrkräfte nach ihrer Ausbildung Berlin, was man ihnen nicht verdenken kann. Solange diese dem Bildungsföderalismus geschuldete Situation nicht verändert wird, greift die Argumentation des Autors zu kurz.

Dr. Thomas Kirski,

Berlin-Charlottenburg

Den jetzt in der Öffentlichkeit diskutierten Konflikt zwischen dem Kollegium und der Schulleiterin des Montgolfier-Gymnasiums können und wollen wir als Schulleiterverband nicht bewerten. Er verweist aber auf die drängenden Probleme, auf die unser Verband immer wieder hinweist. Dabei geht es sowohl um die ungelösten Probleme bei der Ausbildung von Schulleitern und Schulleiterinnen als auch um die nur rudimentär ausgestaltete Personalhoheit von Schulleitung in Berlin.

Zu Recht spricht Gerd Nowakowski von „Managementaufgaben“, die im „Bildungsunternehmen Schule“ heute einen großen Teil des Tätigkeitsfeldes von der Schulleitung ausmachen. Im Widerspruch dazu stehen allerdings überholungsbedürftige rechtliche Vorgaben wie auch unzeitgemäße bürokratische Regelungen. So sind beispielsweise Personalmaßnahmen wie Umsetzungen von Lehrkräften an eine andere Schule der Personalhoheit von der Schulleitung vollständig entzogen, da diese ausschließlich durch eine starre Verordnung zur Regelung von „Personalausgleichsmaßnahmen“ bestimmt werden.

Umso mehr verwundert es, wenn sogar die Regierungskoalition selbst im Bildungsteil ihres Regierungsprogramms von der Notwendigkeit spricht, Personalhoheit und Personalkompetenz von Schulleitung in Berlin zu stärken. Wie geht das zusammen?

Ebenso unbefriedigend gestaltet sich die überfällige Neuausrichtung der Ausbildung für die Profession des Schulleiters bzw. der Schulleiterin. Unser Verband fordert deshalb eine verbindliche und zertifizierte Ausbildung nach definierten und einheitlichen Qualitätsstandards. Obwohl es Bemühungen in diese Richtung gibt, ist man in Berlin davon noch meilenweit entfernt. Wen wundert es da, wenn der involvierte Kollegenkreis in beträchtlichem Umfang das in „Bausteinen“ organisierte Fortbildungsangebot des Interessenverbandes Berliner Schulleitungen nutzt?

Unser Verband wird den aktuellen Konflikt zum Anlass nehmen, unsere konzeptionellen Vorstellungen mit Schulsenatorin Scheeres zu erörtern, ist doch Handlungsbedarf nicht zu bestreiten!

Harald Kuhn, Vorsitzender des Interessenverbandes Berliner Schulleitungen e. V., Berlin-Spandau

Nach Jahrzehnten eigener Bemühungen in der Lehre fehlt mir jedes Verständnis für „Pädagogen“, die es für angemessen halten, ihren Ärger über Schulleitung oder -verwaltung an Unschuldigen – den ihnen anvertrauten Schülern – auszulassen, indem sie sich „krank“ melden.

Wen wundert angesichts derartiger Vorbilder die weit verbreitete Leistungsunlust vieler Jugendlicher!?

Der Verdacht liegt nahe, dass die wahre Ursache des Streits nicht etwa ein „autoritärer“ Stil der Direktorin des Johannisthaler Gymnasiums ist, sondern ihr Versuch, im Interesse des schulischen Auftrags den während ihrer Abwesenheit weiter eingerissenen, ausschließlich „an den Interessen der Beschäftigten orientierten Arbeitsstil“ einiger Damen und Herren „Lehrer“ zu korrigieren.

Peter Koeppe, Berlin-Wannsee

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