Bill Gates : Im Widerspruch zur gesamten Branche

Der Gründer von Microsoft mischt sich in den Streit zwischen Apple und dem FBI ein. Doch möglicherweise irrt sich Bill Gates diesmal genauso wie 1995 bei der Beurteilung des Internet.

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Bill Gates, im Bild zusammen mit seiner Frau Melinda, hat das operative Geschäft bei Microsoft schon vor langem in andere Hände übergeben und setzt sein Vermögen nun für wohltätige Zwecke ein.
Bill Gates, im Bild zusammen mit seiner Frau Melinda, hat das operative Geschäft bei Microsoft schon vor langem in andere Hände...Foto: Reuters

Bill Gates hat in seinem Leben vieles richtig gemacht, aber mitunter auch komplett danebengelegen. 1995, als er noch selbst die Geschicke von Microsoft leitete, befand er, dass der Siegeszug des Internet längst keine ausgemachte Sache sei. In der ersten Version des Betriebssystems Windows 95 wurde das World Wide Web darum nur sehr rudimentär unterstützt. Mit seiner Forderung, dass Apple dem FBI beim Entsperren des iPhones eines toten Terroristen helfen sollte, hat Bill Gates nun erneut einen sehr einsamen Weg beschritten.

Selbst Microsoft-Chef Nadella sieht das anders

Das einstige Wunderkind der US-Technologiebranche hat sich vor acht Jahren vollständig aus dem Firmengeschäft von Microsoft zurückgezogen. Seither nutzt er die gemeinsam mit seiner Frau gegründete rund 30 Milliarden Dollar schwere Bill & Melinda Gates Stiftung dafür, unter anderem gegen Malaria und Kinderlähmung zu kämpfen. Zu Fragen der Microsoft-Firmenpolitik im Speziellen und der Branche im Allgemeinen äußert er sich dabei eher selten. Umso verwunderlicher sind nun seine Einlassungen in der „Financial Times“, die dem Vernehmen nach sogar der Linie des amtierenden Microsoft-Chefs widersprechen. Satya Nadella steht wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Twitter-Chef Jack Dorsey und Google-Boss Sundar Pichai aufseiten von Apples CEO Tim Cook, der sich vehement gegen den Vorstoß des FBI stemmt. Per Gerichtsdekret will die Bundespolizei Apple zwingen, das iPhone-Betriebssystem so zu modifizieren, dass der Pin-Schutz eines gesperrten und verschlüsselten iPhones ausgehebelt werden kann.

Nach Meinung von Gates ist die Aufforderung des FBI ein spezifischer Sonderfall und kein Präzedenzfall. Die Situation sei nicht anders als bei einer Telekom-Firma oder einer Bank, meint der Ex-Firmenlenker und Philanthrop. Es müsse der Regierung möglich sein, Steuern zu erheben, Verbrechen zu stoppen und Terrordrohungen zu untersuchen. Gates spricht sich dabei für klare Regelungen aus, in welchen Fällen solche Ausnahmen möglich sein sollen.

Im Fall von Windows und dem Internet erkannte Gates seinen Irrtum: Die komplette Software-Palette wurde fit fürs Internet gemacht. Möglicherweise muss sich der 60-Jährige auch in der FBI- Amtshilfefrage korrigieren. Offenbar versuchen US-Ermittlungsbehörden in einem Dutzend anderer Fälle per Gericht das Entsperren von iPhones zu erzwingen – ohne Terrorverdacht. Kurt Sagatz

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