Meinung : Billionen außer Kontrolle

Die Hedgefonds machen, was sie wollen: Mehr Transparenz ist nötig

Henrik Mortsiefer

W as haben Hedgefonds mit dem Klimawandel zu tun? Nein, die „Heuschrecken“ sind nicht an der Erderwärmung schuld. Aber sie haben eine Gemeinsamkeit mit den Klimakillern: sie machen Angst – jeden Tag etwas mehr.

Das liegt an den Dimensionen und der Unübersichtlichkeit ihrer Geschäfte: 1,4 Billionen Euro schleusen rund 9000 Hedgefonds durch das verzweigte Finanzsystem. Das Ziel vor Augen, ihr eingesetztes Kapital in möglichst kurzer Zeit zu vervielfachen, nutzen sie rund um den Erdball jede Chance der Geldvermehrung. Sie sammeln Kapital bei Anlegern und Banken, sie kaufen und verkaufen Unternehmen oder Teile davon, sie spekulieren an den Aktien-, Devisen- und Rohstoffmärkten. Ihr Hunger nach Rendite treibt die Fonds dabei in immer heiklere Geschäfte. Munitioniert mit immer größeren Bankkrediten hebeln die Investoren ihre Gewinne in den Himmel – oder in den Abgrund. Kreativität heißt in diesem Business Risiko und Schnelligkeit. Shareholder Value war gestern. Heute schlägt die Stunde der „Share-Trader“, der Händler und Finanzjongleure. Auf ihrem Marktplatz gelten eigene, komplizierte Regeln. Kontrolle findet kaum statt. Auch, weil die Gesellschaften in Steueroasen residieren, fernab von Finanzaufsicht und Fiskus.

„Wir wissen nicht, was da draußen los ist.“ Mit diesem Satz entlarvte ein Aufseher die Hilflosigkeit der Behörden. Die führenden Industrienationen haben auch deshalb das Thema Hedgefonds auf die Tagesordnung ihres G-7-Treffens gesetzt. Finanzminister und Notenbankchefs ahnen, dass die Fonds in einem Machtvakuum agieren, das transparent gemacht und, wie manche sagen, reguliert werden muss. Denn involviert in die „Wertschöpfungskette“ der Fonds sind nicht mehr nur die Finanzinstitutionen. Es geht um Unternehmen, Arbeitsplätze, Steuergelder.

Wie beim Weltklima steht die Stabilität des Systems zur Diskussion. Oder steht sie schon zur Disposition? Doch mit den schnellen Eingriffen, die sich manche wünschen, ist es so eine Sache, zumal auf dem Finanzmarkt. Die G-7-Teilnehmer dämpfen zu Recht die Hoffnung, es könne in zwei Tagen die Lösung für ein Problem gefunden werden, das einige nicht mal als eines betrachten. Amerikaner und Briten leben ganz gut vom Geschäft der Hedgefonds. Bei aller Sorge vor den Risiken – es ist naiv, wenn der DGB- Chef eine „politische Initiative“ der Gewerkschaften ankündigt.

Nein, es bedarf einer Initiative, die die Fonds trifft, wo sie es spüren. Die Idee, Ratingagenturen mit der Bewertung der Risiken zu beauftragen, ist gut. Vorausgesetzt, die Fonds legen ihre Risiken auch offen. Noch besser wäre es, wenn die Mächtigen des Marktes es mit den noch Mächtigeren zu tun bekämen. Präsident Bush hat in der Klimapolitik eine – politisch erzwungene – Neuorientierung angedeutet. Das wirkt: Solar- und Windkraftaktien steigen. Ein Signal an die Hedgefonds, dass der weltgrößte Finanzplatz Transparenz verlangt und durchzusetzen weiß, würde wirken. Das Risiko, die Wall Street gegen sich zu haben, würden selbst Hedgefonds nicht eingehen.

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