Meinung : „Bin jung genug, um Koch alt wirken zu lassen“

Christoph Schmidt Lunau

Heute, spätestens morgen hat er wieder einen großen Auftritt. Dann wird er vor einem Dutzend Kameras einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss gegen Hessens Ministerpräsident Roland Koch ankündigen: Jürgen Walter versteht es meisterlich, Situationen zuzuspitzen.

Als Parlamentsneuling profilierte er sich einst im Schwarzgelduntersuchungsausschuss. Weil er in den Redeschlachten mit dem Ministerpräsidenten bestanden hatte, wählte ihn die Fraktion nach dem Wahldesaster 2003 überraschend zu ihrem neuen Vorsitzenden. Und auch jetzt nutzt der junge Mann mit der Designerbrille und dem Faible für Sportwagen und modische Anzüge seine Chance.

Ohnehin ist es zuletzt gut gelaufen für den Rechtsanwalt und Jungpolitiker. Im parteiinternen Wettstreit mit der Landesvorsitzenden Andrea Ypsilanti um die SPD-Spitzenkandidatur für die nächste Landtagswahl liegt er inzwischen vorn. Walter zählt zu den „Netzwerkern“ in der SPD, seine Gegenspielerin ist als Schröder- und Agenda-Kritikerin bekannt geworden. Walter dagegen ist flexibel. Weil er den Ausbau des Frankfurter Flughafens für das zentrale Investitionsprojekt in Hessen befürwortet, wechselte er mit dem Wohnort den Wahlkreis. Dort wo er herkommt, in Gernsheim, muss man nämlich Flughafenkritiker sein, um als Sozialdemokrat zu reüssieren. Und obwohl er eigentlich dafür eintritt, Akademiker rückwirkend an den Kosten ihrer Universitätsausbildung zu beteiligen, hat er sich die SPD-Kampagne gegen die von der CDU eingeführten Studiengebühren zu eigen gemacht.

Als Walter und Ypsilanti am vergangenen Dienstag bei den Genossen im Rheingau ihre 20. Vorstellungsrunde absolvierten, fragte der Juso-Vorsitzende ratlos nach den Unterschieden der beiden, die es doch wohl geben müsse. Doch Walter setzt nicht so sehr auf politische Inhalte. Die Landesvorsitzende mag dem „Bauch“ der Partei näher sein, wenn sie sich als Arbeiterkind vorstellt und 100 Prozent sozialdemokratische Politik verspricht. Walter aber hält seine Rede nicht gegen die parteiinterne Kandidatin, sondern gegen Koch. Als glänzender Polemiker zielt er auf dessen Achillesverse. „Wer seinen Wahlkampf mit Schwarzgeld finanziert, dem traue ich auch zu, dass er die politische Konkurrenz mit Steuergeldern von einer Kandidatur abhält“, rief er den Genossen in der Kulturhalle Wingsbach zu und stellte sich gleich als „euer nächster Ministerpräsident“ vor.

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