Bio-Kost : Und sie ist doch gesünder

Laut einer Studie sind Biolebensmittel nicht wesentlich gesünder als konventionelle. Und dennoch: Wir sollten es uns durchaus etwas kosten lassen, pfleglich mit Natur und Tier umzugehen, meint unser Kolumnist.

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Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Dass der Mittfünfziger immer noch Raucher ist, ist wohl hinlänglich bekannt. Wer diesem Laster frönt, tut sich argumentativ ein bisschen schwer mit der Behauptung, extrem gesteigerten Wert auf gesunden Lebenswandel zu legen. Ab und an jedoch, also am ersten oder zweiten eines Monats, wenn das Geld noch ein wenig lockerer sitzt, geht auch der Mittfünfziger in den Bioladen und gönnt sich etwas Besseres. Es gib ein paar gute Gründe dafür, etwa den, dass man sich gehörig erhaben fühlt über die Fast-Food-Junkies. So erhaben, wie man sich fühlt, wenn man nach dem Einkauf die Bio-Masse mit dem Fahrrad abtransportiert und nicht den SUV vollpackt.

Und noch etwas: Sind die Falten des Alters nicht viel interessanter als so ein glattes Face? Analog ist auch ein leicht angerunzelter Boskop etwas viel schöneres als so ein glatt polierter Granny Smith. Nur leider, das nimmt dem Besuch im Bioladen doch einiges an Selbstwertsteigerung, gesünder ist weder der Boskop, sind auch die herrlichen Zucchini nicht, nicht die Tomaten, nicht mal der Mangold, nicht Erbse, nicht Bohne, Paprika, Gurke und Kartoffel.

Eine große Studie der Stanford University in Kalifornien hat nun nichts gefunden, so gut wie nichts, das belegen könnte, biologisch erzeugte Lebensmittel seien gesünder als herkömmliche. Aber wusste man das nicht schon?

Gut, ein paar Pestizide hier, ein bisschen Schädlingsbekämpfungsmittel da, also durchaus etwas, was man nicht unbedingt in Mengen in sich hineinschaufeln möchte, aber ein relevanter gesundheitlicher Unterschied zwischen der Bio-Ware und dem Discounter-Zeug konnte nicht ermittelt werden. Aber geht es darum? Mag sein, dass in mancher Kita die Biokost obligatorisch ist, weil die Eltern nur das Beste für die Kleinen wollen und glauben, das Beste sei nur in Bio drin. Mag sein, dass manche Mutti wirklich glaubt, das Reisplätzchen täte ihrer Penelope oder ihrem Marc-Linus besser als der Pfirsich vom Aldi.

Aber die fahren auch mit dem SUV weg vom Spielplatz und wissen vielleicht nicht, dass die Voraussetzung für den biologischen Anbau die Einschränkung der konventionellen, ungesunden Bodennutzung ist. Wenn also der eine Grund wegfällt, für viel Geld im Bioladen einzukaufen, bleibt der andere bestehen, nämlich der, dass wir uns es durchaus etwas kosten lassen können, pfleglich mit Natur und Tier umzugehen. Und das ist, denkt der Mittfünfziger mit dem ungesunden Lebenswandel, allemal der gesündere Grund.

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