Birma : Die Macht der Mönche

In Birma könnte eine der ältesten Diktaturen der Welt bald stürzen - falls China und Russland mitspielen, die bislang aus ökonomischen Erwägungen die Junta stützen. Aber auch ohne den Druck von außen haben die Proteste eine solche Dynamik entwickelt, dass der Regimesturz aus eigener Kraft möglich scheint.

Moritz Kleine-Brockhoff

Erstmals seit einer Generation scheint möglich, dass eine der ältesten und brutalsten Diktaturen der Welt gestürzt: die Junta von Birma. In den nächsten Tagen wird sich entscheiden, ob es einen friedlichen Wandel oder ein erneutes Blutbad geben wird. Bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York muss eine aufstrebende Weltmacht Gesicht zeigen: China, einziger großer Sponsor des Regime, hat maßgeblichen Einfluss auf die Generäle in Yangon. Nur Peking kann das Blutbad verhindern, über das Birmas Diktator Than Shwe offenbar gerade nachdenkt. Er und seine Clique wären gut im chinesischen Exil aufgehoben.

Selbstverständlich werden die USA und EU-Staaten bei den UN Druck auf Than Shwe machen und den friedlichen Umgang mit den Demonstranten fordern – und einen Übergang zur Demokratie. Die Amerikaner und Europäer verhängen auch seit vielen Jahren Sanktionen gegen Birma. Doch das braucht die Führung in Yangon nicht zu interessieren, weil China die Junta über Wasser hält. Wahrer Druck kann also leider nur vonseiten derjenigen kommen, die Erfahrung im blutigen Niederschlagen einer Demokratiebewegung haben. 18 Jahre nach dem Massaker auf Pekings Tiananmen-Platz stellt sich die Frage, ob Chinas Führung eine solche Brutalität auch heute noch akzeptiert.

Peking hat strategische Interessen in seinem rohstoffreichen Nachbarland im Süden. Es geht um Öl, Gas, regen Grenzhandel und um den Landzugang zu Häfen am Indischen Ozean. Anfang des Jahres legte China im UN-Sicherheitsrat sein Veto gegen eine von den USA und Großbritannien eingebrachte Resolution ein, die Birmas Verfolgung von ethnischen Minderheiten und Dissidenten verurteilt hätte. Russland, das Kernkraftwerke in Birma bauen will, lehnte den Vorstoß ebenfalls ab. Es war das erste russisch-chinesische Doppelveto seit 1972. Beide Staaten erklärten, die Lage in Birma bedrohe nicht den regionalen und internationalen Frieden. Im Nachbarland Thailand sind inzwischen schon zwei Millionen Flüchtlinge angekommen.

China und Russland glauben, dass sie ihre wirtschaftlichen Interessen besser in einem undemokratischen Umfeld wahrnehmen können – von ihnen ist wenig Druck auf Birma zu erwarten.

Die Proteste haben mittlerweile jedoch eine solche Dynamik entwickelt, dass Dissidenten ein Regimesturz aus eigener Kraft möglich erscheint. Sie könnten recht haben, weil die Mönche, höchste Moralinstanz in dem zu 85 Prozent buddhistischen Land, in der ersten Reihe stehen. Das ist neu, und es stellt die Junta vor viel größere Probleme als jeder zuvor erlebte Widerstand. Mönche sind verehrte Vorbilder, auch für Soldaten. Wer jetzt schießt, handelt gegen seine Religion.

Schon jetzt ist unklar, ob die Junta-Befehlskette noch intakt ist. Das Regime scherte sich in der Vergangenheit nicht um buddhistisch korrekte Gewaltfreiheit. Angeblich hat General Than Shwe schon befohlen, den Protest durch Gewalt aufzulösen. Doch Sicherheitskräfte gingen bislang nur in Ausnahmen mit Gewalt vor. Ob sich das ändert, wird sich in den nächsten, historischen Tagen entscheiden.

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