Blackberry-Verbot in Frankreich : Mitleser

Frankreich verbietet seinen Politikern E-Mail-Handys – Deutschland bleibt leichtsinnig.

Kurt Sagatz

Es hat den Falschen getroffen, aber dennoch das richtige Thema benannt. Die Forderung des Sicherheitsbeauftragten der französischen Regierung Alain Juillet, französische Abgeordnete sollen nicht mehr mit des Managers und Politikers liebstem Spielzeug Blackberry arbeiten, hat über die Grenzen des Nachbarlandes hinweg für Aufsehen gesorgt. Über die kleinen E-Mail-Handys könnte es angelsächsischen Geheimdiensten möglich sein, die Geheimnisse der Grande Nation auszuspionieren. Vor allem die Schlapphüte der amerikanischen National Security Agency könnten über Hintertüren die Geheimnisse der Nationalversammlung belauschen, so die Befürchtung Juillets.

Tatsache ist: Die aus Kanada stammenden Blackberry-Geräte gehören zu den beliebtesten Manager-Accessoires, weil man mit ihnen das Büro in die Jackentasche stecken kann und nie mehr eine E-Mail verpasst. Tatsache ist auch, dass der Blackberry-Betreiber in den USA keine Server unterhält und die Mails nur verschlüsselt übertragen werden. Fakt aber ist auch, dass die Sorge vor Spionage in der durchtechnisierten Welt allgemein zu gering ausgeprägt ist – und zwar sowohl in der Politik als auch der Wirtschaft. Die Telefonanlage des Bundestages sollte abhörsicher sein, aber gilt das auch für alle Abgeordnetenhandys? Und was ist mit Telefonen von Wirtschaftsunternehmen?

Das Gerücht ist nicht aus der Welt zu bekommen. Seit Jahren hält sich die Vermutung, dass die amerikanischen Geheimdienste und speziell die NSA alle US-Hightech-Unternehmen dazu verdonnert haben, Hintertüren zu ihren Programmen und Servern einzubauen, um potenziellen Staatsfeinden und Terroristen auf die Schliche kommen zu können. Wer immer als IT-Unternehmen auf dem US-Markt Geschäfte machen will, muss sich dieser Regel unterwerfen, so die von Paranoikern beschworene Furcht vor dem Großen Bruder USA.

Dabei muss man beileibe kein Verschwörungstheoretiker sein, um seine Systeme vor Spionen zu sichern. Das Bundesinnenministerium, das für die Sicherheit der Informationstechnik in Bund und Ländern maßgebend ist, tut somit doppelt gut daran, wenn es freie Software fördert, die nicht allein aus den USA kommt. Sie stärkt damit die europäische Wirtschaft und verbaut damit bereits im Vorfeld mögliche Hintertüren.

Während der Blackberry eben nicht darauf verzichtet, die Informationen seiner Besitzer zu schützen, so ist der Warnruf aus Paris dennoch ein guter Anlass, an all die anderen Gefahren der digitalen Kommunikation zu erinnern. Angefangen bei Passwortfeldern, die komplett leer bleiben oder mit den Namen von Frau, Kindern, Haustieren gefüllt werden, über unverschlüsselte Firmenmails bis hin zu SMS-Botschaften an einen offenen Empfängerkreis haben sich viele Nachlässigkeiten eingeschliffen. Man braucht keine begnadeten Hacker oder Hightech-Spione, die sich erst heimlich auf ausländischen Servern herumtreiben müssen. Die meisten Geheimnisse wurden lange zuvor leichtfertig ausgeplaudert – analog wie digital.

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