Meinung : Blendwerk

„Das falsche Maß“ vom 12. Mai

Die alte Frage, die sich schon zu Beginn der Affäre Guttenberg stellte, die dann aber im Mediengetöse unterging, muss nun endlich überzeugend auf den Tisch: Welche Rolle spielten der „Doktorvater“ und die Gutachter? Es sieht so aus, als ob sich die Uni Bayreuth elegant um diese Frage drücken will.

Ich meine, wenn ein Professor zwei bis drei abgekupferte Sätze in der Arbeit seines Doktoranden nicht entdeckt – geschenkt. Wenn ihm 20–30 Sätze – auch ohne Google – nicht auffallen, dann hat er von seinem Fach keine Ahnung und müsste von der Fakultät untersagt bekommen, auf diesem speziellen Gebiet Doktorarbeiten zu betreuen. Wenn er 200–300 Sätze geflissentlich übersieht, dann liegt zumindest der begründete Anfangsverdacht vor, dass er seine Universität absichtlich zu täuschen versuchte. Dann müsste ihm der Professorentitel aberkannt werden. Die Uni Bayreuth muss hier eindeutiger tätig werden.

Prof. Dr. Wolfgang Dohle,

Berlin-Zehlendorf

Es überrascht mich immer wieder, wie in der Beurteilung und Bewertung der Causa Guttenberg am Kern der Angelegenheit vorbeigeredet und -geschrieben wird.

Die Fragen, ob ein Politiker einen akademischen Titel benötigt (Antwort: natürlich nicht!) und, daran angeschlossen, ob in Deutschland den Titeln aller Art nicht zu viel Gewicht beigemessen wird (Antwort: Nur ein Bruchteil der verliehenen/erworbenen/getragenen Titel aller Art haben ihre Berechtigung, und diese sollten durchaus ernst genommen werden!), lenken doch nur von dem eigentlichen Punkt ab: Guttenberg hat vielfach und über einen langen Zeitraum hinweg gelogen und betrogen (und tut es bis zum heutigen Tag)! Und das hat nichts, aber auch gar nichts damit zu tun, dass es um einen Doktortitel geht!

Wäre Guttenberg Handwerker und hätte als Gesellen- oder Meisterstück einen Schrank vorgestellt, den ein anderer entworfen und geschreinert hat, dann wäre sein Fehlverhalten genauso verheerend und verurteilenswert.

Natürlich hätte er im Prinzip „eine zweite Chance verdient“ – aber nachdem er sich als notorischer, unverbesserlicher Lügner und Betrüger gegenüber so vielen Menschen, auch solchen, die ihm blind vertraut haben, erwiesen hat, sollte er diese Chance in einem Metier bekommen, in dem Blendwerk und Selbstüberschätzung zum „Markenkern“ gehören.

Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann,

Berlin-Schöneberg

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