Meinung : Blick zurück in die Geschichte

„Mehr Wind“ von Christoph von Marschall vom 16. Mai

Soso, „in Deutschland wurde die Energiewende von oben durchgesetzt“. Das ist wahrscheinlich das Bild, dass sich dem Betrachter jetzt darbietet.

Die Frage ist doch: Wer hat die Politik dazu veranlasst, der regenerativen Energie eine Chance zu geben. Um das zu erkennen, müssen wir dreißig bis vierzig Jahre in der Geschichte zurückgehen. In die Zeit, als einige Bürger die Umweltproblematik zur ersten Mal erkannten. Und diesen Bürgern klar wurde, dass keine politische Partei bereit war, sich dieser Probleme anzunehmen – auch Deutschland hat seine Lobbyisten.

Gegen den energischen Widerstand der zuständigen Parlamente wurde durchgesetzt, dass Altpapier gesondert gesammelt und wiederverwendet wurde. Und erst als klar war, dass eine wachsende Anzahl von uns da unten bereit war, für unansehnliches Recyclingpapier mehr Geld auszugeben, als für das „ordentliche“ Papier, und die Industrie den Wert des kostenlos angelieferten Rohstoffs erkannte, wurden von oben die Strukturen geschaffen, die sie jetzt vor sich sehen. Dasselbe gilt für das Kunststoffrecycling. Und das Sammeln von Altglas.

Als dann dem kleinen Mann auf der Straße bewusst wurde, auf welchem verhängnisvollen Weg wir uns in der Energiepolitik befanden: Stichwort besonders natürlich „Atomenergie“, wurden hier eine Menge Leute ziemlich rebellisch. Und in dieser brodelnden Küche entstand die grüne Partei. In den Augen der Welt ein lächerlicher Haufen ungewaschener Rauschebärte in Birkenstocksandalen oder bunt gewandeter häkelnder Hippies, die dazu neigten, Sonnenblumen zu verschenken.

Aber damit hatten die umweltbewussten und verantwortungsvollen Menschen einen Joker: Sie waren im Parlament vertreten. Und wenn auch die Konservativen nicht mit ihnen sprechen wollten und ihre Verachtung zeigten, wo sie konnten, so waren ihre Stimmen nicht wegzudiskutieren.

Sowohl die Verwendung der Sonnenenergie wie der Windenergie wurden angeschoben durch Idealisten, die bereit waren und sind, mehr Geld für regenerative Energie auszugeben. Die Subventionen für die regenerative Energie sind ja ein Klacks gegen die für die Atomenergie und die Kohle, machen sich aber allen Unkenrufen zum Trotz durch den Export der neuen Technologien bezahlt.

In den nächsten Monaten werden Sie verfolgen können, wie die Energiepolitik von oben sich mit ihren Ideen über Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke und der Einlagerung der Abfälle in Gorleben durchsetzen wird. Könnte interessant werden.

Ich weiß nicht, ob sich hier jemand moralisch überlegen fühlt – die Weltmeisterschaft darin überlassen wir wohl gerne den Amerikanern – aber es ist festzustellen, dass sich die Amerikaner an einem Punkt befinden, an dem wir vor dreißig – vierzig Jahren waren.

Wir jedenfalls, die deutschen Angsthasen, starren schreckerfüllt auf den Golf von Mexiko und fragen uns, was nun noch passieren muss.

Elisabeth Loewe, Hannover

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