Blockade in Italien : Selbstzerstörung

Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten, hat ein italienischer Schriftsteller einmal gesagt, ist die Arabeske. Er hat damit nicht nur ein Lebensgefühl seiner Landsleute beschrieben, sondern auch deren Politikverständnis. Kaum ein anderes europäisches Land versteht sich so virtuos auf Winkelzüge, Umleitungen und politische Pirouetten. Die Chaostheorie – sie muss in Rom erfunden worden sein. Doch was sich derzeit in Italien abspielt, ist von geradezu selbstzerstörerischer Wucht. Dabei kann man mit einigem guten Willen durchaus Verständnis aufbringen für die streitenden Parteien. Dass die Sozialdemokraten keine Lust verspüren, mit Silvio Berlusconis unsäglicher Partei in eine große Koalition zu gehen – wer würde das nicht begreifen? Und dass Beppe Grillos zu unglaublicher Stärke angewachsene Protestbewegung nicht mit einer jener Parteien zusammenarbeiten will, deren Unfähigkeit ja der Grund ihrer Existenz ist – auch das ist ohne Weiteres zu verstehen. Aber Demokratie ist kein Kinderspielzeug, das man achtlos in die Ecke werfen kann. Demokratie heißt auch: dorthin zu gehen, wo es wehtut und wo es vielleicht auch übel riecht. Anderswo kämpfen Menschen für Demokratie unter Lebensgefahr. In Italien spielt man damit. pro

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