Meinung : Bloß kein Job von Beck

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Kurt Becks These „Wer sich wäscht und rasiert, der findet auch Arbeit“ muss offenbar variiert werden: „Wer sich wäscht, rasiert und wer wirklich arbeiten will, der findet auch Arbeit“. Diese Variante scheint eher zuzutreffen im Fall von Henrico Frank – jenem Arbeitslosen, der sich beim Friseur einen Poposcheitel verpassen ließ und anschließend sieben Jobangebote erhielt. Die kämen für ihn aus gesundheitlichen Gründen nicht in Frage, hatte dessen „Sprecherin“ und Vorsitzende der Hartz-IV-Plattform Brigitte Vallenthin erklärt. Nun wird ihm das Arbeitslosengeld gekürzt, weil er sich nicht mit der gebotenen Sorgfalt um die Jobangebote gekümmert hat. Das ist richtig, denn er ist verpflichtet, jede zumutbare Arbeit anzunehmen. Warum die angebotenen Stellen für ihn nicht zumutbar sind, hat Frank gegenüber der Behörde nicht erklärt. Die naheliegende Schlussfolgerung: Er findet Arbeit „scheiße“, wie auf einem Button zu lesen ist, den er getragne hat. Doch so einfach ist es nicht. Denn selbst bei der Wiesbadener Behörde heißt es, Frank lasse die Bereitschaft erkennen, zu arbeiten. Klingt widersprüchlich, ist es aber nicht. Vallenthin, die Medien und auch Beck hatten die Sache so aufgebauscht, dass aus dem Fall Frank eine Grundsatzdebatte über die Frage wurde: „Wer ist schuld an der hohen Arbeitslosigkeit – die Politiker oder die Arbeitslosen selbst?“ Nach dem ganzen Presserummel konnte die Vorsitzende der Hartz-IV-Plattform wohl nicht zulassen, dass Frank einen der Jobs annimmt, die letztlich Beck organisiert hat. Doch nun ist es Frank – nicht Brigitte Vallenthin –, der mit weniger Geld auskommen muss. dro

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