Meinung : Bloß kein Kind – lieber einen Hund oder eine Katze

„Die Familienpolitik ist gescheitert“

von Kostas Petropulos vom 21. März

Mit diesem Artikel trifft der Autor den Nagel auf den Kopf. Welches verantwortungsbewusste Paar setzt Kinder in die Welt, wenn es nicht weiß, ob die finanziellen Mittel vorhanden sein werden, um sie zu ernähren und in geordneten Verhältnissen großziehen zu können.

Es wird Zeit, dass die Wirtschaft begreift, dass die jetzt meistens nur befristeten Arbeitsverträge ausgesprochen familien- und kinderfeindlich sind. Und die Politik muss erkennen, dass Kitas zwar wünschenswert, aber nur nützlich sind, wenn die Familien auch eine Planungssicherheit haben.

Viola Kaniss, Berlin-Friedenau

Als Mutter von vier erwachsenen Kindern, bin ich entsetzt über die Schwierigkeiten, mit denen junge Leute heute fertig werden müssen, wenn sie in Deutschland Kinder in die Welt setzen. Ich kenne nur wenige junge Paare, die mit unbefristeten Arbeitsverträgen am selben Wohnort leben können. Wenn der eine eine halbe befristete Stelle in München und der andere eine unsichere Arbeit in Hannover hat, oder Augsburg und Hamburg, oder Bamberg und Frankfurt, ist das schon schlimm.

Was ist, wenn der Kindergarten streikt, die Kinder die Windpocken haben, die Mütter den Blinddarm herausnehmen lassen müssen, die Tagesmutter erkrankt? Das sind keine erfundenen Beispiele, ich erlebe sie täglich hautnah. Ein Glück noch, wenn die Großeltern das Geld und die Zeit und die Kraft haben, sich jederzeit auf die Bahn zu setzen und einzuspringen! Wer diese Katastropheneinsätze manchmal bis zu vier Mal im Vierteljahr macht, sorgt sich, wie lange die Ehen und die Gesundheit der jungen Frauen (sie sind diejenigen, die die Hauptlast tragen) mitspielen. Wenn die jungen Leute so lange warten, bis einer eine Arbeit hat, die beständig zu sein scheint, ist die Zeit des Kinderkriegens für die Frauen meist abgelaufen!

Ute Brandis, Berlin-Wilmersdorf

Der Autor sieht vor allem Fehler der Politik, die zu einem fortwährenden Schrumpfen der Geburtenrate führen.

Fakt ist, dass in der sogenannten Mittelschicht die Geburtenrate besonders gering ist, während vorwiegend in den unteren Einkommensschichten und bei den Beziehern von Transferleistungen die Anzahl der Geburten steigt. In gewissen Kreisen der oberen Einkommensschichten hat das Kinderkriegen sich inzwischen als „Lebensevent“ etabliert. Bei der großen Menge zwischen diesen beiden Polen wirkt ein gefährlicher Cocktail aus mehreren Faktoren: Hinterlassenschaften von Erziehungsmethoden, die einen starken Egoismus und Egozentrik fördern; das gesellschaftliche Umfeld, das dazu führt, zunächst gewisse materielle „Stufen“ zu erreichen (Mein Haus, mein Auto …); Kinder werden der Lebensplanung unterworfen und irgendwann passt ein Kind nicht mehr zum Alter oder zu sonstigen Umständen. Leider hat auch das Verantwortungsbewusstsein bei vielen Männern zwischen 20 und Mitte dreißig erziehungsbedingt so stark nachgelassen, dass eine Frau mit Kinderwunsch nachvollziehbar lieber zwei- oder gar drei Mal hinschaut, auf wen sie sich als Vater Ihres Kindes einlässt.

Und so kaufen Männer wie Frauen sich lieber einen Hund oder eine Katze, die müssen nicht in die Schule, wenn die Erziehung versagt, dann sind die Folgen (meistens) nicht so gravierend und wenn das Tier gestorben ist, dann kauft man sich halt ein Neues … Zumindest die Sozialetats – und das meine ich in vollem Ernst - könnten entlastet werden, wenn die Haltung (größerer) Haustiere sozialversicherungspflichtig würde.

Wolfram Beer, Berlin-Wilhelmsruh

Wenn man sich für ein Kind entscheidet, will man möglichst sicher sein, dass man ihm auch etwas bieten kann. Leider ist die Lage in Deutschland aber heute so, dass viele nicht wissen, ob sie im nächsten Monat noch Arbeit haben oder ob der Partner nicht plötzlich die Stadt wechseln muss, um sich seinen Lebensunterhalt verdienen zu können. Das sind – neben fehlenden Kitaplätzen – Gründe, die in meinem Freundes- und Bekanntenkreis oft ausschlaggebend bei der Entscheidung für oder gegen die Gründung einer Familie sind. Raten Sie mal wie die Tendenz aussieht.

Anke Brunner, Berlin-Friedenau

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