Meinung : Bloß nicht überzeugen Berlins Ausländerbeauftragte – eine PDS-Groteske

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Von Lorenz Maroldt

Nehmen wir einfach mal an, die Berliner Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner von der PDS hätte wenigstens eine ungefähre Vorstellung davon, wie sie ihren gewiss nicht leichten Job einigermaßen anständig organisiert, und dass sie obendrein ein ganz kleines bisschen was verstanden hat von der Stadt, die sie mitregieren darf: dann hätte sie die Berliner Ausländerbeauftragte Barbara John nach deren mehr als zwanzig Dienstjahren gewiss nicht über den Umweg eines Interviews im Neuen Deutschland als selbstsüchtig beleidigt; sie hätte gründlich nach einem guten Nachfolger gesucht.

Die Senatorin hätte dann vielleicht auch erkannt, dass ihre Traumkandidatin in der Biografie einen dunklen Fleck hat, der im Zusammenhang mit einer leitenden öffentlichen Funktion ein moralisches und rechtliches Problem darstellen könnte. Sie hätte dann Zeit gehabt, sich genau zu informieren, warum ihre Kandidatin sich einst bei der Stasi als IM verpflichtete, wie lange sie bei der Firma war, was sie dem Unterdrückungsapparat verriet und: mit welchen Folgen. Vielleicht hätte die Senatorin festgestellt, dass all dies sehr lange her ist, banal obendrein, die Kandidatin seitdem einen überzeugenden Weg gegangen und heute untadelige Demokratin ist, an der obligatorischen Einzelfallprüfung also kaum scheitern würde. Danach hätte die Senatorin die Öffentlichkeit in aller Offenheit von ihrem Vorschlag zu überzeugen versucht: Da war was, und zwar das, aber…

Doch so eine Sozialsenatorin ist Berlin nicht gegeben. Heidi Knake-Werner hat ganz bewusst alles anders gemacht, weil sie weiß, wie gut das bei ihrem Publikum ankommt. Sie will gar nicht überzeugen; sie will provozieren, Tabus verletzen, Reflexe abrufen. Opfer nimmt sie dabei in Kauf: Sie hat eine verdiente, engagierte, mit dem Moses-Mendelssohn-Preis des Landes Berlin ausgezeichnete Frau, also eine womöglich für das Amt der Ausländerbeauftragten gut geeignete Kandidatin, unmöglich gemacht.

Jetzt kommt der Schmutz Krümel für Krümel aus der Vergangenheit hoch, ganz nach dem bekannten Muster. Am ersten Tag wollte sich die Kandidatin nur daran erinnern, dass sie sich an fast nichts erinnert – außer, dass alles schon so lange her sei und dass sie, selbstverständlich!, niemandem geschadet habe. Am nächsten Tag gab die Erinnerung immerhin bereits sechs bis acht Jahre Stasi-Kontakt her, mit dem Auftrag, westliche Diplomaten und Journalisten zu beobachten sowie Einschätzungen über Studenten zu verfassen. Bald liegt die Akte vor, dann geht es weiter.

Das alles hätte die Senatorin ihrer Kandidatin ersparen können – bei guter Vorbereitung und vor allem: bei gutem Willen.

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