Meinung : Bloß nicht wie beim letzten Mal Von Clemens Wergin

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Bevor die Europäer sich gänzlich der Lächerlichkeit preisgeben, haben sie ihr Truppenkontingent für den Libanon noch einmal aufgestockt. Besonders Frankreich hat sich nun dem internationalen Druck gebeugt und ein umfangreicheres Engagement zugesagt. Die maximal 6900 Soldaten, die die Europäer nun stellen wollen, sind zwar nicht viel. Wenn Jerusalem die von den muslimischen Ländern Bangladesch, Malaysia und Indonesien zugesagten Soldaten akzeptiert – obwohl alle drei Staaten keine diplomatischen Beziehungen zu Israel unterhalten –, wäre die neue Blauhelmtruppe aber immerhin weit stärker als die alte Unifil.

Was die internationale Gemeinschaft hier zustande gebracht hat, bleibt dennoch am unteren Limit dessen, was nötig ist. Umso mehr wird der Erfolg dieser Mission davon abhängen, ob die UN-Truppe auch bereit ist, zur Erfüllung ihres Auftrages Konflikte zu riskieren. Der Hisbollah wird daran gelegen sein, ein Übereinkommen mit der neuen Unifil-Truppe zu finden, das dem mit den Vorgängern gleicht: Ihr schaut nicht so genau hin, lasst uns in Ruhe und dann tun wir euch auch nichts. Das wäre für die UN zwar ein bequemes und Gefahren reduzierendes Arrangement – eines jedoch, das unweigerlich in den nächsten Krieg münden würde. Neben dem Aufspüren der Waffenverstecke im Südlibanon ist die Unterbrechung der Nachschublinien aus Syrien entscheidend für den Frieden an der israelisch-libanesischen Grenze. Entscheidend auch für die Frage, ob die libanesische Demokratie endlich souverän wird oder weiter von der Gruppe als Geisel genommen wird, die am meisten Gewehre auf die Straße bringt.

Syriens Präsident Baschar al Assad hat eine Stationierung der UN in der Nähe der syrischen Grenze gerade als „feindlichen Akt“ bezeichnet. Das zeugt nicht nur vom seltsamen Weltbild des Diktators, es macht auch deutlich, dass Syrien Angst hat, die Hisbollah als Faustpfand gegen Israel zu verlieren. Es gibt einen guten Maßstab ab für den Erfolg der UN-Truppe in der Zukunft: Je lauter die Nasrallahs, Ahmadinedschads und Assads protestieren, desto besser ist die Arbeit, die die Blauhelme verrichten.

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