Meinung : Böger gegen Strieder: Ungewöhnlich unklug

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Auf den ersten Blick ist das ein gewöhnlicher Vorgang: Zwei SPD-Senatoren - der eine, Klaus Böger, nebenbei Bürgermeister, der andere, Peter Strieder, Parteivorsitzender - streiten sich in Berlin darum, wer den stellvertretenden Senatssprecher bestimmen soll. Personalfragen sind eben Machtfragen, da hat jeder gerne das letzte Wort. Zumal die SPD noch einen Spitzenkandidaten sucht. Böger also schlug den langjährigen Fraktionssprecher Peter Stadtmüller vor; Strieder stellte dessen Loyalität in Frage. Das ist verblüffend, schließlich hat Stadtmüller schon drei Fraktionsvorsitzenden zur Seite gestanden, ohne dass je von Illoyalität zu hören war. Strieder schlug eine Journalistin mit guten Kontakten zur PDS vor; Böger sah rot. So standen sie einander gegenüber. Bis Stadtmüller sich selbst aus dem Rennen nahm und die Zweifel an seiner Loyalität als unerträglich beschrieb. Verwirrung, Verwunderung, Verbitterung und ein offener Angriff auf den Parteivorsitzenden: Das ist das Zwischenergebnis beim Versuch der SPD, einen strategisch nicht unwichtigen, aber eben nachrangigen Posten zu besetzen. Eine Truppe Verletzter schwingt sich auf zum nächsten Gefecht - gegen sich selbst. Das ist ungewöhnlich unklug.

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