Meinung : Bögers Geheimnis

HOCHBEGABTENKONZEPT IN BERLIN

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Bildungssenator Klaus Böger hat Glück gehabt. Lange sah es so aus, als würde sein lang erwartetes Hochbegabtenkonzept nicht viel Neues zu bieten haben. Dann kam er auf den rettenden Gedanken, die bereits existierenden Schnellläuferklassen einfach beizubehalten, ihren Besuch aber an einen Intelligenztest zu knüpfen. Damit erhalten Superschüler die Möglichkeit, schon nach elf Jahren das Abitur abzulegen. Das ist bundesweit einzigartig und verschafft Böger erst mal einen Punktsieg. Auch der zusätzliche Nachmittagsunterricht für Hochbegabte steht auf der Habenseite; ebenso die Beseitigung bürokratischer Hürden beim Überspringen von Klassenstufen. Diese positiven Ansätze haben allerdings den Schönheitsfehler, dass sie kaum fruchten, wenn die Hochbegabung eines Kindes nicht erkannt wird. Böger konnte sich nicht dazu durchringen, Kinder schon im Vor oder Grundschulalter auf besondere Begabungen hin testen zu lassen. Sie sind also darauf angewiesen, dass die Grundschullehrer ihre oftmals schlummernden Talente erkennen. Dafür wurden die allerdings nie ausgebildet. Das Gleiche gilt für die Lehrer der Schnellläuferklassen. Sie müssen die Superschüler zwar nicht mehr erkennen. Aber sie müssen mit ihnen umgehen können. Bisher hatten sie es „nur“ mit guten Schülern zu tun. Künftig kommen fast ausschließlich Kinder zu ihnen, die aufgrund ihrer hohen Intelligenzquotienten eine völlig andere Denkstruktur haben. Noch ist es Bögers Geheimnis, wie er die Lehrer fit machen will für diese neuen Herausforderungen.sve

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