Börse und Vertrauen : Gebrechlich

So teuer kann es werden, wenn an der Börse Vertrauen verzockt wird. Mit den Aktienkursen sind am Freitag alle Hoffnungen abgestürzt, die Bankenrettungspakete der Regierungen könnten die internationale Finanzkrise beenden und die Realwirtschaft vor den Folgen abschirmen. 700 Milliarden Dollar für die US-Banken, 500 Milliarden Euro für die deutschen Geldhäuser werden an den Finanzmärkten wie Papiergeld verbrannt. Es klingt zynisch, aber die nachtschwarze Stimmung an der Börse hat etwas Prophetisches: Die Investoren nehmen die Depression, in die die Weltwirtschaft 2009 zu fallen droht, vorweg. Anders als die staatlichen Retter in der Not müssen die Anleger dabei nicht ihre Worte wägen und Beruhigungspillen verteilen. Sie können die Rezessionspanik einfach wirken lassen – und ihre Aktien verkaufen. Anhaltspunkte dafür, dass die Krise realwirtschaftliche Kreise zieht, haben sie genug. In den Prognosen der Unternehmen, die gerade ihre Quartalsberichte vorlegen, ist nachzulesen, dass es in vielen Branchen 2009 bergab geht. Die Aufträge bleiben aus, die Nachfrage sinkt, die Finanzierung wird schwieriger. Sinken morgen die Gewinne, muss sich das heute in den Aktienkursen niederschlagen. So hat die Börse schon immer gerechnet. Aber selten hat es so wehgetan. mot

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