Meinung : Bosnien-Herzegowina: Störmanöver der Friedensverlierer

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Ist die Friedensmission in Bosnien gescheitert? 500 bosnische Kroaten wollten dem Vorzeigeprojekt der internationalen Gemeinschaft den Todesstoß versetzen - doch daraus wird nichts. Der Beschluss des Kongresses von Mostar, sich aus den bundesstaatlichen Institutionen des multiethnischen Konstrukts zu verabschieden, kommt kernig daher, ist aber nur ein Störmanöver. Vielleicht ist es sogar das letzte Aufbegehren dieser Art, an dessen Ende die zwangsläufige Selbstentmachtung dieser Gruppierung steht. Die Nationalisten unter den bosnischen Kroaten hatten - genau wie ihre Gesinnungsgenossen aus der bosnischen Serbenrepublik - nie ein Hehl daraus gemacht, dass sie Bosnien in drei Teile zerschlagen und den Moslems kaum Einfluss gewähren wollten. Doch ohne die politische Rückendeckung aus Zagreb beziehungsweise Belgrad, haben die Hardliner in Bosnien an Handlungsspielraum verloren. Weder Kroatiens Präsident Mesic noch der Serbe Kostunica kann es sich politisch oder finanziell erlauben, die separatistische Politik der bosnischen Ableger im Sinne Tudjmans und Milosevics zu sponsern. Und Wolfgang Petritsch hat als internationaler Bosnien-Beauftragter einen starken Trumpf in der Hand: Er kann jeden Politiker entlassen, der den Friedensvertrag von Dayton blockiert. Darüber hinaus haben die meisten bosnischen Lokalmatadore inzwischen erkannt, dass sich die Mitarbeit am multiethnischen Projekt lohnt: Wer mitzieht, bekommt Aufbauhilfen. So hängt der Erfolg der Mission nach wie vor davon ab, dass sich die internationale Gemeinschaft einig ist in ihrer Politik der Motivation und Sanktion. Genau darauf vertrauen auch die Menschen in Bosnien.

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