Meinung : „Bossi bellt, …

Paul Kreiner

… aber er beißt nicht.“

So nimmt Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi seinen treuesten politischen Freund in Schutz, der nach einem Schlaganfall selbst kaum mehr redet: Umberto Bossi, den Inbegriff und Führer der rechtsgerichteten Lega Nord, den Demagogen und Rassisten, der Flüchtlingsboote im Mittelmeer mit Kanonen beschießen wollte, den Separatisten, der Italiens reichen Norden vom „räuberischen Süden“ abspalten und sich mit der Nationalfahne „den Hintern abwischen“ wollte.

Seit 17 Jahren saß Umberto Bossi im italienischen Parlament, zum zweiten Mal gehörte er – seit 2001 – einer Regierung Berlusconi an. Die erste hatte er 1994 mit seinem Auszug zu Fall gebracht, und auch jetzt drohte er alle zwei, drei Wochen mit dem Bruch der Koalition, würden die anderen drei Bündnispartner nicht endlich einer Föderalisierung Italiens zustimmen.

Jetzt ist Bossi tatsächlich ausgezogen. Er hat das verhasste Rom, Regierung und Parlament verlassen. Zum einen, weil er schwer krank ist: Seit er im März einen Herzinfarkt und einen Hirnschlag erlitten hat, liegt der 62-Jährige im Krankenhaus. Zum anderen musste er einem Scheitern zuvorkommen: Von seinem Föderalisierungsprojekt bleibt kaum etwas übrig, das man als Erfolg verkaufen könnte. Und drittens musste Bossi noch einmal – wenn er schon kaum mehr reden kann – auf andere Art gegen die Koalitionspartner demonstrieren, die seinen stärksten Verbündeten im Kabinett, Finanzminister Giulio Tremonti, hinausgedrängt haben.

Immerhin zieht die Lega Nord, auf inständiges Flehen Berlusconis, ihre beiden anderen Minister nicht zurück; die Mitte-rechts-Regierung ist wieder einmal gerettet, und da Bossi offenbar gewillt ist, die Partei auch vom Krankenbett aus zu steuern, weiß Berlusconi, dass er mit den Lega-Ministern keine Probleme haben wird. Die „Achse des Nordens“ hält; Gianfranco Fini, Chef der rechtskonservativen Alleanza Nazionale, Erbfeind Bossis in der Koalition und Verfechter eines starken Zentralstaates, mochte intrigieren, so viel er wollte.

Bleiben noch die Christdemokraten. Auch sie leisten Bossis Föderalismusprojekt hinhaltend Widerstand und drohen ihrerseits – für den Fall, dass Berlusconi weiterhin nicht auf sie, sondern vor allem auf die Lega Nord hören sollte – mit dem Bruch der Regierung. Über den Sommer indes wird die Sache wohl noch halten. Intern hat man die Parole ausgegeben, Neuwahlen könnten derzeit nur schaden – und auch Bossis Minister sind nicht von ungefähr in der Koalition geblieben.

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