Meinung : Bourbon für den Hindukusch

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Von Elke Windisch

Wahlkampf ist immer und überall. Sogar in Afghanistan, wo Gerhard Schröder mit DFB-Präsident Franz Beckenbauer als Sondergast einschwebte. Eine PR-Attacke, mit der der Medienkanzler vor allem in Deutschland punkten dürfte.

Fußball mag in der Tat völkerverbindend wirken und unter den Taliban bezahlten Afghanen, die dem verbotenen Ballspiel heimlich frönten, zuweilen mit dem Leben. Doch für das durch fast dreißig Jahre Krieg zerstörte Land machen einschlägige Showdowns in etwa so viel Sinn, wie einem Verdurstenden in der Wüste statt Wasser „Bourbon on the rocks“ zu servieren.

Schröder hat – neben Kaiser Franz und einem Fußballplatz – noch mehr dabei: eine zehnköpfige Wirtschaftsdelegation. Sie darf bei keiner Auslandsreise des Kanzlers fehlen und hat ihm schon so manche Pluspunkte beschert. Allerdings haben die Weisen der Wirtschaft weder Schecks noch Bares im Gepäck und wollen vor bindenden Zusagen die Lage vor Ort sondieren. Dabei dürften sie zu ähnlich pessimistischen Ergebnissen gekommen sein, wie zuvor schon andere westliche Politiker und Experten.

Chancen für deutsche Unternehmen gäbe es. Vor allem beim Wiederaufbau der Infrastruktur und der Zukunftstechnologien wie Telekommunikation. Doch Kapital ist bekanntlich ein scheues Reh, das sich durch politische Instabilität leicht verschrecken lässt.

Bei deren Abbau aber hat die Interimsregierung von Hamid Karsai bisher enttäuscht. Er hat es bisher nicht einmal vermocht, sich wenigstens der Loyalität jener Paschtunenstämme zu versichern, die seine Ernennung unterstützten. Und schon gar nicht konnte er seine Macht auf das flache Land auszudehnen, wo Warlords mit Hilfe von Russland, Iran und Pakistan an der Wiederherstellung autonomer Teilreiche werkeln. Karsai selbst ist daran nicht ganz unschuldig. Statt sich zu Hause um Mehrheiten zu bemühen, die seine Regierung bei der Loya Jirga - der Großen Ratsversammlung Mitte Juli bestätigen - verbrachte er gut zwei Drittel seiner Amtszeit mit Roadshows im Ausland.

Investoren sind daher gut beraten, abzuwarten, welche Richtung die von der Loya Jirga zu wählende Regierung einschlägt und ob deren Abmachungen sich als tragfähig erweisen. Die Afghanen, die auf Unterstützung hoffen, können Schröder und sein Tross nur enttäuschen – aber vielleicht bringt die Reise im eigenen Land Gewinn.

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