Bradley Manning : "Diese Dinge gehören in die Öffentlichkeit"

Er soll der Mann sein, der die Afghanistan-Papiere in die Öffentlichkeit brachte. Dabei steht Bradley Manning seit Wochen unter Arrest – ohne Zugang zu Geheimakten und Computernetzwerken.

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Das US-Militär verdächtigt den 22-jährigen Gefreiten, der in der Analyseabteilung der Truppen im Irak arbeitete, er habe schon die Videoaufnahme eines Luftangriffs in Bagdad von 2007 weiter gegeben. Damals starben irakische Zivilisten und zwei Journalisten der Agentur Reuter. Wikileaks veröffentlichte das Video im April unter dem Titel "Collateral Murder".

Nach US-Recht macht sich strafbar, wer als "geheim" gestempeltes Material weitergibt. Straffrei bleiben dagegen Medien, die es veröffentlichen, selbst wenn sie wissen, dass es durch Gesetzesbruch an sie gelangte.

Seit Mai sitzt Manning im Militärgewahrsam in Kuwait. Am Donnerstag wurde er nach Quantico verlegt, einen Stützpunkt des Marine Corps in Virginia. Nun heißt es, er habe vor seiner Festnahme auch die Afghanistan-Papiere verraten. Wie er den Verdacht auf sich lenkte, ist eine Geschichte von Misstrauen und Vertrauen - wie so vieles im Umkreis von Wikileaks. In Deutschland neigt man dazu, die Plattform als Vorkämpfer der Informationsfreiheit zu sehen. In den USA argwöhnen viele, sie manipuliere die Fakten und verfolge eigene Interessen. Zum Beispiel sei das Irak-Video in irreführender Art verändert worden.

Manning war verstört über vieles, was er in seiner Analysearbeit im Irak über den militärischen Alltag erfuhr. Sein Misstrauen gegen die Vorgesetzten und die Truppe wuchs. Ein anderes mögliches Motiv ist Rache: Er war wegen eines hässlichen Streits mit einem Kameraden degradiert worden. Vertrauensselig ging er dagegen mit Chat-Partnern im Internet um. Darunter war Adrian Lamo. Er stellte sich Manning als ehemaliger Hacker und Journalist vor und mindestens einmal auch als Seelsorger. Manning musste den Eindruck haben, ihr Gedankenaustausch falle unter den Informantenschutz oder das Beichtgeheimnis. Er schrieb Lamo, er habe das Video in Wikileaks veröffentlicht. Er diskutierte hypothetisch klingende Fragen: "Wenn Du freie Herrschaft über geheime Datenbanken hättest ... und schreckliche Dinge siehst ... Dinge, die die in Öffentlichkeit gehören, ... was würdest du tun?" Er habe Zugang zu 260.000 diplomatischen Berichten aus aller Welt.

Nur ein Teil des Internetdialogs zwischen Manning und Lamo ist öffentlich bekannt. Lamo wandte sich an die Behörden. Und sagt, Manning habe den Informantenschutz, den er ihm angeboten habe, nie explizit verlangt.

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