Brandenburgs CDU : Nach bleierner Zeit

Von Gerd Nowakowski

Mit Aufbruch kennt sie sich aus, die designierte Vorsitzende der Brandenburger CDU. Und nicht weniger als ein kompletter Neustart für die Union kommt auf Johanna Wanka zu. So wie damals am Ende der DDR, als sie Mitgründerin des Neuen Forums war. Etwas vom damaligen Geist des Aufbruchs und des unbedingten Willens, nach bleierner Zeit die Zukunft zu wagen, für die Menschen da zu sein, braucht die märkische Union ganz dringend. Die Wissenschafts- und Kulturministerin hat als gelernte Naturwissenschaftlerin, Angela Merkel sehr ähnlich, schon jetzt ein analytisches Geschick und kluge Zurückhaltung bewiesen. Genau deswegen konnten sich die hoffnungslos zerstrittenen Lager auf die seit acht Jahren amtierende Ministerin einigen: als Parteichefin und Spitzenkandidatin.

Ein Jahr vor der Landtagswahl haben alle Akteure begriffen, dass es nur noch eine Chance gibt, um nicht wieder in dem politischen Abseits zu landen, aus dem erst Innenminister Jörg Schönbohm 1999 die Union holte und zum Regierungspartner der SPD formte. Der jahrelange Kampf zwischen dem bisherigen Parteichef Ulrich Junghanns und Ex-Generalsekretär Sven Petke hat die Union ausgezehrt, die Quittung waren die dramatischen Verluste bei der Kommunalwahl vor wenigen Wochen. Dabei war nicht alles falsch, was Petke tat: als er etwa eine modernere Familienpolitik forderte oder Zweifel formulierte, ob der oft hölzern agierende Junghanns das Format für einen Spitzenkandidaten hat.

Wanka hat sich dem Grabenstreit mit Bedacht herausgehalten. Ihre Nominierung wird schon allein deswegen die Union beruhigen, weil diese inzwischen zu zermürbt ist, um noch die Kraft zu neuen Debatten zu finden – etwa über eine Doppelspitze. Nun kommt alles in eine Hand, und mit dem neuen Generalsekretär Dieter Dombrowski ist das Petke-Lager angemessen repräsentiert.

Die Wissenschaftsministerin hat ein Jahr Zeit, ihr Profil zu stärken. Im Herbst 2009 werden drei Ostler aufeinandertreffen. Ministerpräsident Matthias Platzeck, der in Zeiten der Finanzkrise vom dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus träumt, die Spitzenkandidatin der Linken, Kerstin Kaiser, die einst als IM tätig war, und Johanna Wanka, die aus ihrer rigorosen Haltung zur DDR-Vergangenheit heraus glaubwürdig ein modernes Gesellschaftsbild, christlich und sozial zugleich, vertreten kann. Das könnte spannend werden.

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