Meinung : Brauchen wir Geld?

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Ein bekannter DDRCartoon geht so: Mann macht die Wohnungstür auf, da steht der Geldbriefträger. „Frau!“, ruft der Mann, „brauchen wir Geld?“ Geldbriefträger gibt es nicht mehr, aber die sympathische Haltung des Manns an der Tür scheint sich bis heute bewahrt zu haben. Jedenfalls teilen uns Leipziger Sozialforscher soeben mit getragener Stimme mit, nur 19 Prozent der Ostdeutschen wünschten sich mehr Geld, beispielsweise per Lottogewinn. Aber, und jetzt kommt die Moralkeule: Vor zwei Jahren hätten das nur acht Prozent gesagt, weil nämlich der Wunsch, ohne eigentliche Leistung reich zu werden, verpönt gewesen sei. Die Forscher folgern, dies sei, bibber, ein Symptom zunehmender sozialer Kälte. Der Ost-Mensch musste offenbar erst lernen, was der West-Mensch in den Genen hat: Auch die tollste eigene Leistung macht uns nicht automatisch reich. Andererseits: In der DDR ist praktisch überhaupt niemand reich geworden, ob mit Leistung oder ohne. Was können wir daraus lernen? Die Solidarität muss wieder höher gehalten werden, egal wie. Sollten Sie also ihren Lottogewinn nicht brauchen, schicken Sie ihn einfach mir, c/o Tagesspiegel. Danke!

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