Meinung : Briefkasten und Bundestag

Die neuen Rentengesetze gehen auf Kosten aller

Tissy Bruns

Die Älteren machen die handfeste Erfahrung in diesen Tagen; für die Jüngeren ist es heute im Bundestag besiegelt worden: Die Renten sinken. Die Nullrunde und der volle Beitrag zur Pflegeversicherung summieren sich zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik zu einer negativen Bilanz; die Bescheide liegen jetzt in den Briefkästen der Rentner. Keine Frage: Die meisten sind wütend und verärgert. Aber einseitig zu Lasten der Rentnergeneration von heute gehen die Reformen bei der Alterssicherung eben nicht. Das gestern beschlossene Gesetz zur langfristigen Stabilisierung des Rentensystems belastet die Erwerbsgeneration von heute. Ihre Renten aus der gesetzlichen Versicherung werden von der Lebensstandardsicherung viel weiter entfernt sein als die der Rentner von heute. Sind die Jüngeren wütend und verärgert? Davon ist wenig zu hören. Ganz abgesehen davon, dass sie vom Alter noch weit entfernt sind, liegt das hauptsächlich an ihrer Illusionslosigkeit, wenn es um die Zukunft der sozialen Sicherung geht.

Was ist gerecht? Der Doppelschlag bei der Rente, die kurzfristigen Einschnitte und die langfristige Niveausenkung, zeigen, wie unmöglich eine objektive Antwort ist. Wer kann nicht verstehen, wenn eine Rentnerin mit Durchschnittsrente ihren Verlust als ungerecht empfindet. Aber auch das Kopfschütteln eines jungen Berufsanfängers ist nachvollziehbar, der auf seine hohen Versicherungsbeträge und seine geringen Rentenerwartungen verweist. Alle Generationen haben im Gerechtkeitsstreit etwas auf die Waagschale zu legen. Die Alten können zu Recht darauf verweisen, dass sie bei weitaus schlechterem Lebensstandard viel mehr Kinder großgezogen haben. Die Jüngeren zum Beispiel darauf, dass Kinder längst ein größeres Armutsrisiko sind als das Alter.

Lernen lässt sich daraus nur eins: Es gibt auch bei der Gerechtigkeit einen Unterschied zwischen der tatsächlichen und der gefühlten Temperatur. Und unter dem Strich hilft keine Empörung darüber hinweg, und mag sie individuell noch so berechtigt sein: An die Alten kann nur verteilt werden, was die Jungen erwirtschaften können.

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