Meinung : „Bronze hätte einen faden Beigeschmack“

Frank Bachner

Ein typischer Satz für Andre Niklaus. Aber er ist ja auch ein typischer Zehnkämpfer. Die halten wenig von Psychospielchen, wie die Sprinter sie lustvoll betreiben. Zehnkampf hat etwas von einem Familientreffen. Zwei Tage sind die Athleten vereint im Gefühl, stets an der Leistungsgrenze zu kämpfen, das verbindet. Gestern sah es bis zum Abend so aus, als ob Niklaus bei der Leichtathletik-WM in Helsinki die Bronzemedaille gewinnen würde. Er hatte Platz vier belegt, aber der Tscheche Roman Sebrle, der Vizeweltmeister, hat sich regelwidrig eine Infusion legen lassen. Doch der Tscheche muss seine Medaille nicht abgeben, weil niemand protestiert hatte. Für Niklaus eine gute Nachricht. Bronze hätte seine 8316 Punkte abgewertet, seinen persönlichen Rekord, seine fünf Bestleistungen im Wettkampf. Er hätte dann nicht mehr Platz vier sensationell erobert, man hätte ihm Platz drei geschenkt.

So denkt der 23-jährige Berliner, und deshalb wird er von den Topstars des Zehnkampfs auch als einer der ihren anerkannt. Einer wie Niklaus will nicht auf andere angewiesen sein, er macht seine eigene Show. Er ist einer jener Typen, der sogar den Zehnkampf wie eine Funsportart erscheinen lässt. Ein eher schlaksiger Kerl mit blonden Haaren und Sunnyboy-Lächeln, der mit dem Publikum spielt, in der Freizeit surft, Snowboard fährt und zum Wellenreiten reist. Er kann dem deutschen Zehnkampf wieder ein Gesicht geben. Seit Frank Busemanns Karriereende ist diese Rolle neu zu vergeben.

Niklaus ist nicht zu schnell nach oben gekommen, er hatte immer Bodenhaftung. Dass der Sportsoldat sich seit 1999 regelmäßig steigerte, fiel keinem groß auf. Die Stars erzielten mindestens 500 Punkte mehr als er. Niklaus nahm’s zur Kenntnis, mehr nicht. Die Olympischen Spiele 2008, die WM 2009, das sind seine wichtigsten Fixpunkte. 2004 verpasste er die Olympia-Qualifikation, ein Zwischentief, mehr nicht. Er arbeitete einfach weiter, geleitet von seinem besonnenen Trainer Rainer Pottel. Der dosiert das Training so gut, dass Niklaus selten verletzt ist. Dafür aber fehlen ihm noch muskulöse Oberarme. Niklaus hat Stärken im Sprint und bei den Sprüngen. Doch die Kraft wird schon noch kommen, er hat da keine Bedenken. Ob sich Sponsoren finden, weiß er nicht. Wäre schön, sagt Niklaus. Er hat noch keine. Ziemlich sicher kommt jetzt aber mehr öffentlicher Druck. Doch auf den kann er ebenso gut verzichten wie auf Bronze.

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