Meinung : Brot und Straße

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Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sagte der Bundespräsident in der Frauenkirche, wir brauchen mehr als nur Straßen und Gewerbegebiete. Es ist offenbar, dass er Recht hat: Das ungeheure Echo, das dieser Wiederaufbau ausgelöst hat, zeigt, wie ausgehungert die Deutschen sind, wie groß unsere Sehnsucht nach Erfolgsgeschichten ist. Sie sind selten geworden. Du bist Deutschland, so klang, was Horst Köhler der Frauenkirche zurief, und wünschte jedem von uns ein Stück „von dem Mut, der Begeisterung und der Zuversicht, die die Einweihung dieser Kirche möglich gemacht haben“. Auch da hat er Recht, nicht allein der fertige Bau ist inspirierend, sondern vor allem auch der Weg, der dorthin geführt hat. Doch in Wahrheit eignet sich die Frauenkirche kaum als Modell für die Zukunft des Landes. Sie ist Deutschland, aber jenes, das noch immer dabei ist, sich mit der Vergangenheit zu versöhnen. Das Ziel war das Schließen einer historischen Wunde. Wenn wir wüssten, worauf sonst wir Mut, Begeisterung und Zuversicht übertragen könnten, würden wir auch weniger Straßen bauen. mos

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