Brüsseler Tempolimit : Race, copy and paste

Belgien ist jetzt 304 Tage ohne Regierung. Da überrascht es nicht, wenn sie in Brüssel auch Teile der Ordnung auf- und sich der freien Fahrt für freie Bürger hingeben. Aber nicht nur Belgier fühlen sich außerhalb des Rechtes im Recht.

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Helmut Schümann
Helmut Schümann.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Was aus Brüssel kommt, ist selten was Gutes. Also Beschlüsse und Nachrichten, aber es soll hier gar nicht die Rede sein von Silvana Koch-Mehrin und ihrem Opus (ihrem?) über die Lateinische Münzunion 1865–1927. Der Belgier ist seit längerem bekannt dafür, dass er sich gerne im rechtsfreien Raum aufhält und sich darin frei entfaltet. In seinem Hang zur Libertinage ist Belgien zum Beispiel jetzt 304 Tage ohne Regierung, das macht dem kleinen Land auf der ganzen Welt niemand nach. Es ist also nur logisch und konsequent, wenn sie in Brüssel auch Teile der Ordnung auf- und sich der freien Fahrt für freie Bürger hingeben. Weil sich nach Meinung des Verkehrsclubs Touring sowieso nur einer von 100 Autofahrern an die Geschwindigkeitsbegrenzung in Tempo-30-Zonen hält, hat die Staatsanwaltschaft, auch weil sie sich in ihrer Kapazität beschränkt fühlt, angeordnet, zu schnelles Fahren nur noch in schweren Fällen zu registrieren und zu ahnden. Man kann jetzt in Brüssel in Tempo-30-Zonen unbehelligt mit 56 km/h unterwegs sein, in Tempo-50-Zonen mit 75 km/h. Erst darüber reagieren die Radarfallen.

Wenn die Europa-Parlamentarierin Silvana Koch-Mehrin also noch sehr schnell was für einen Text kopieren muss, steht zumindest die Brüsseler Straßenverkehrsordnung dabei nicht mehr hinderlich im Weg. Das Dissertationsmotto copy and paste kann nun erweitert werde: race, copy and paste.

Fairerweise sei angemerkt, dass nicht nur Belgier sich außerhalb des Rechtes im Recht fühlen. In Magdeburg zum Beispiel gibt es einen Menschen, der hat sich vor fünf Jahren ein Sofa gekauft. Nicht ganz billig, 8000 Euro, aber dafür mit Platz für ihn und seinen Haushund. Und so fläzten sich Hausherr und Haushund ein Jahr lang auf der Couch, dann war sie hin und kein Luxussofa mehr, sondern verschmuddelt. Der Mensch wollte sein Geld zurück, mindestens aber, dass der Möbelhändler ihm das gute Stück neu überzieht. Er berief sich dabei auf eine Absprache, die der Händler jedoch bestritt. Der Käufer ging vor Gericht. Man sieht, die Geschichte hätte auch gut und gerne eine Nachricht aus Belgien sein können. Möglicherweise wäre sie dann allerdings gut ausgegangen für den Hundefreund. So aber: Das Landgericht Magdeburg wies seine Klage ab, weil er die angebliche Absprache nicht belegen konnte. Das Geschäftsmodell Kaufen-Verbrauchen-Geschenktbekommen hätte, bei allem Reiz für den Käufer, wohl auch keine Zukunft.

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