BRUNO LE MAIRE, STAATSSEKRETÄR, FRANKREICH: : "Spannungen mit Berlin sind Anekdoten“

Der neue Staatssekretär für Europafragen im französischen Außenministerium hielt seine Rede zum Amtsantritt auch auf Deutsch. Und um die Spannungen zwischen Paris und Berlin abzubauen, führt seine erste Reise in die hiesige Hauptstadt. Ein Porträt.

Hans-Hagen Bremer
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Bruno Le Maire -Foto: AFP

Dass ein Mitglied der französischen Regierung seine Rede zum Amtsantritt auch auf Deutsch hält, ist ungewöhnlich. Bruno Le Maire, der neue Staatssekretär für Europafragen im Außenministerium, hatte sich zu dieser demonstrativen Geste entschlossen. Bei der Übernahme seines Amtes am Wochenende richtete er eines seiner ersten Worte an „unsere deutschen Freunde“ – auf Deutsch. Danach war eine seiner ersten Amtshandlungen ein Telefongespräch, das er, ebenfalls auf Deutsch, mit seinem Kollegen in Berlin, dem parlamentarischen Staatsminister im Auswärtigen Amt, Günter Gloser, führte. In die deutsche Hauptstadt wird ihn demnächst auch seine erste Auslandsreise als Staatssekretär führen.

Die Botschaft, die Präsident Nicolas Sarkozy mit dieser Berufung nach Berlin sendet, ist klar. Nach den Spannungen, die in den vergangenen Wochen die Zusammenarbeit belastet haben, soll nun alles getan werden, um die Beziehungen zur Regierung in Berlin wieder zu verbessern. Für diese Aufgabe erschien ihm der Spitzenbeamte Le Maire, der seit 2007 als Deputierter der Nationalversammlung angehört, der richtige Mann – nicht allein, aber doch vor allem wegen seiner profunden Kenntnisse Deutschlands und seiner Sprache. Sie werde für den Erfolg auf seinem neuen Posten entscheidend sein, hat ihm sein Vorgänger, Jean-Pierre Jouyet, der an die Spitze des Amtes für die Finanzmarktaufsicht wechselte, mit auf den Weg gegeben.

Der 39-jährige Le Maire hat die für einen hohen Staatsdiener übliche Eliteausbildung an der ENA absolviert. Nach dem Abschluss trat er in den Dienst des Quai d’Orsay, wo er zum Stab des Außenministers und späteren Regierungschefs Dominique de Villepin stieß. Er verfasste die Rede, die de Villepin 2003 im UN-Sicherheitsrat gegen den Irakkrieg hielt, und wurde dessen Kabinettsdirektor. Ein Buch, in dem er aus dem Nähkästlein über die Rivalität zwischen Sarkozy und de Villepin um die Präsidentschaftskandidatur berichtet, wurde zum Bestseller. Sarkozy hat es nicht gehindert, ihn als den für die Querelen mit Deutschland zuständigen Mann in seine Regierung zu holen.

Seine Aufgabe sieht Le Maire gelassen. Die Spannungen zwischen Paris und Berlin? „Das sind Anekdoten“, sagt er. Spektakuläre Aktionen zur Verbesserung des Klimas? „Bringt nichts.“ Was zählt, sei das Gespräch mit den Partnern. „Dafür werde ich Zeit haben.“ Hans-Hagen Bremer

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