Bruttoinlandsprodukt : Chinas Wirtschaft schwächelt unter Xi Jinping

Unter dem neuen Parteichef Xi Jinping geht es mit der chinesischen Wirtschaft bergab - das Wachstum war seit 20 Jahren nie so niedrig. Für die deutsche Wirtschaft ist das eine Chance, mit hochwertigen Produkten auf den chinesischen Markt zu drängen.

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Unter Xi Jinping geht es mit der chinesischen Wirtschaft bergab.
Unter Xi Jinping geht es mit der chinesischen Wirtschaft bergab.Foto: dpa

Vor kurzem erklärte Chinas neuer Parteichef Xi Jinping, nach welchen Maßstäben die 85 Millionen Mitglieder und Funktionäre der Kommunistischen Partei künftig bewertet werden sollen: Integrität komme vor Leistung, sagte er. Vor allem sei die Zeit vorbei, in der chinesische Offizielle allein nach der Höhe der Wachstumsrate beim Bruttoinlandsprodukt ihrer Stadt oder Provinz beurteilt würden.

Baut da jemand für sich selbst vor? Unter der neuen Führung schwächelt Chinas Wirtschaft wie lange nicht mehr. Im zweiten Quartal 2013 betrug das Wachstum des Bruttoinlandprodukts nur noch 7,5 Prozent, es war die niedrigste Wachstumsrate seit mehr als zwei Jahrzehnten. Und die Aussichten stehen nicht gut, es kursieren Analysen, wonach die Wachstumsrate im dritten oder vierten Quartal unter sieben Prozent fallen könnte. Das hat weltweite Folgen, auch für Deutschlands Wirtschaft. Muss man sich deshalb Sorgen machen?

Die Chinaparty ist vorbei

Klar ist schon seit längerem, dass die große Chinaparty der deutschen Wirtschaft vorbei ist. Das spüren auch Deutschlands Exporteure, es sinkt nicht nur die Nachfrage nach Investitionsgütern wie Maschinen und Anlagen made in Germany. Schon im vergangenen Jahr, als Chinas Bruttoinlandsprodukt mit 7,7 Prozent bereits ebenfalls verhältnismäßig bescheiden wuchs, stiegen die deutschen Exporte in das Reich der Mitte kaum mehr. Zwei Jahre zuvor hatten die Ausfuhren nach China noch um stolze 44,3 Prozent zugenommen. Für deutsche Unternehmen, die ihre Strategie allein auf das chinesische Wachstum ausgerichtet haben, dürfte es künftig schwieriger werden. Fürchten aber müssen sie sich nicht.

Beträchtliche Steuerungsmöglichkeiten

Chinas Regierung wird alles tun, um einen wirtschaftlichen Absturz zu verhindern. Zu systemrelevant sind beständig hohe Wachstumsraten in der chinesischen Einparteiendikatur. Sie legitimieren die Herrschaft der Partei. Rund sieben Prozent Wachstum pro Jahr müssten es schon sein, wenn Xi Jinping sein Versprechen von der Verdopplung der durchschnittlichen Haushaltseinkommen bis 2020 wahrmachen will. Und mit den Devisenreserven in Höhe von 3400 Milliarden Dollar verfügen Chinas Machthaber auch über beträchtliche Steuerungsmöglichkeiten.

Niedriges Wachstum ist gewollt

Hinzu kommt, dass ein niedrigeres Wachstum durchaus gewollt ist. Chinas Führung setzt in ihrem aktuellen Fünfjahresplan auf qualitativ hochwertigeres, nachhaltigeres und ökologischeres Wachstum. Das Land will sich wandeln, von der verschmutzten Werkbank der Welt zum saubereren Hightechstandort und Konsumgiganten. Für diesen Strukturwandel ist die Führung bereit, schmerzhafte Maßnahmen zu ergreifen. In dieser Woche verordnete sie rund 1400 Firmen in wichtigen Industriesegmenten wie Stahl, Papier, Kupfer oder Zement eine Kürzung ihrer Überkapazitäten. Manche Produktlinien müssen ganz geschlossen werden. Damit unterstreicht die Regierung, wie ernst sie es mit nachhaltigerem Wachstum meint.

Das wiederum ist auch eine Chance für die deutsche Wirtschaft, sie kann fortan mit hochwertigeren Maschinen, Autos oder Konsumgütern auf den chinesischen Markt drängen. Denn trotz abschwächender Konjunktur wird das wirtschaftliche Mantra des 21. Jahrhunderts seine Gültigkeit behalten: Ohne China geht es nicht mehr.

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