Bürgerkrieg in Libyen : Drama in der Blackbox

Anders als beim Umsturz in Ägypten gibt es von den Unruhen in Libyen kaum Livebilder. Das Schlimme ist aber nicht, dass der Westen keine Bilder von den Ereignissen hat. Das Tragische ist, dass er eigentlich nichts tun kann, um weitere Massaker zu verhindern.

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Der Kontrast könnte größer nicht sein: Den Sturz des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak hat die Welt live auf dem Bildschirm mitverfolgt. Die Kameras waren 24 Stunden am Tag auf den Tahrir-Platz im Zentrum Kairos gerichtet. Damit konnte jeder Zuschauer am anderen Ende der Welt sich selbst ein Bild vom Ausmaß der Revolte machen. Die Welt hat dem Regime jede Sekunde auf die Finger geschaut. Der fast ununterbrochene Fluss der Bilder könnte auch zur Zurückhaltung der Militärs beigetragen haben.

Im Nachbarland Libyen dagegen gibt es kaum ausländische Korrespondenten und fast keine Livebilder. Wie in einer Blackbox spielt sich hier allem Anschein nach ein Umsturz ab, den das Regime mit äußerster Gewalt noch verhindern will. Dazu hat es Söldner ins Land geholt, die naturgemäß nicht in Versuchung sind, mit den Demonstranten zu sympathisieren. „Revolutionsführer“ Muammar Gaddafi mag wohl geglaubt haben, dass der Nachrichtenblackout ihm freie Hand gibt. Doch die Libyer waren bisher schon relativ abgeschnitten von der Welt, im Lande ist ihnen der Kontakt mit Ausländern sogar untersagt. Sie begehren aus eigener Kraft auf, und die Frustration der Menschen ist anscheinend überwältigend.

Das Schlimme ist nicht, dass der Westen keine Bilder von den Ereignissen hat. Das Tragische ist, dass er eigentlich nichts tun kann, um weitere Massaker zu verhindern. Natürlich kann man Libyen jetzt aus dem UN-Menschenrechtsrat werfen. Aber in einem Augenblick, wo sich Minister und Top-Diplomaten bereits absetzen, ist das Aktionismus. Welche Eingreiftruppe sollte sich in die chaotische Situation einmischen? Nun zeigt sich, dass der erratische und immer ein wenig irre anmutende Gaddafi, der oft eher belächelt als ernst genommen wurde, unberechenbar ist. Gas- und Ölgeschäfte ließen sich gut mit ihm abschließen. Und er war auch der richtige Mann, um afrikanische Flüchtlinge zurückzuhalten oder zurückzunehmen. Ansonsten hat der Westen kaum Beziehungen im Lande aufgebaut. Daher weiß er wenig. Und er kann jetzt nur zuschauen. Das schlimmste Blutvergießen wird ihm allerdings erspart. Weil es keine Bilder gibt.

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