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Bundeskartellamt stoppt Edeka : Für Kaiser's gibt es keine Zukunft

Die Wettbewerbsbehörde hat Sorge um den Wettbewerb und will nicht, dass Edeka noch mächtiger wird. Doch nirgendwo ist die Konkurrenz so hart wie im Lebensmittelhandel. Ein Kommentar.

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Eine von vielen Filialen: Edeka ist Deutschlands größter Lebensmittelhändler.
Eine von vielen Filialen: Edeka ist Deutschlands größter Lebensmittelhändler.Foto: Patrick Seeger/dpa

Im Berliner Stadtteil Zehlendorf machen sie sich unmittelbar Konkurrenz – der große Kaiser’s-Supermarkt mitten im Kiez und der Reichelt-Laden, wenige Kilometer entfernt auf der Truman-Plaza. Das wird auch vorerst so bleiben. Seit Mittwoch steht fest: Reichelt und Kaiser’s werden keine Geschwister. Das Bundeskartellamt hat den Plänen der Reichelt-Mutter Edeka, Kaiser’s Tengelmann zu übernehmen, eine klare Absage erteilt.
Es spricht einiges für die Position der Wettbewerbshüter. Denn im Handel ist Größe Macht. Wer groß ist und den Herstellern große Mengen abnimmt, kann den Anbietern die Konditionen diktieren. Preisnachlässe, Bonus-Zahlungen, Hochzeits- oder Geburtstagsrabattes, selbst Zuschüsse zu den Werbekosten werden Lieferanten abverlangt. Wer nicht mitmacht, muss damit rechnen, aus dem Sortiment zu fliegen – es sei denn, die Marke ist unverzichtbar für das Sortiment. Und wer über solche Praktiken öffentlich spricht, kann sich ebenfalls einen neuen Abnehmer für seine Waren suchen. Wenn er ihn denn findet.

Die großen Vier

85 Prozent des deutschen Lebensmittelmarktes sind in der Hand von vier großen Anbietern. Neben Edeka sind das Rewe, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland und Aldi. Edeka ist mit großem Abstand die Nummer eins, keiner hat mehr Filialen. Zum Edeka-Reich zählen nicht nur die Edeka-Märkte, sondern auch Reichelt und Netto. Kein Wunder also, dass das Bundeskartellamt verhindern will, dass Edeka noch größer wird. Dürfte die Kette Kaiser’s Tengelmann schlucken, würden in vielen Regionen nur noch Edeka und Rewe als Vollsortimenter und Markenartikler übrig bleiben. Besonders in Berlin, wo Kaiser’s stark ist, fiele das ins Gewicht. Viele Lieferanten dürften daher aufatmen, vor allem kleinere, regionale Firmen, die mit Kaiser’s im Geschäft sind.


Doch die Erleichterung dürfte nicht von Dauer sein. Denn auch das Veto des Bundeskartellamts wird Kaiser’s Tengelmann nicht retten. Denn ohne die Marktmacht, die die Wettbewerbsbehörde Edeka und Co vorwirft, geht es nicht. Mit einem Marktanteil von gerade einmal 0,6 Prozent spielen die 451 Filialen des Mülheimer Familienunternehmens bundesweit keine Rolle. Die Läden sind defizitär. Mit Edeka, Rewe und den Discountern kann Kaiser’s Tengelmann nicht mithalten. Die Kette müsste sich neu erfinden, bräuchte ein neues Profil. Doch das kostet Geld, Geld, das Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub nicht mehr in die Hand nehmen will.

Keine Ministererlaubnis von Gabriel

Für Kaiser’s Tengelmann wird es keine Zukunft geben. Die Läden gehen entweder an Mitbewerber oder werden geschlossen. Nur Wirtschaftsminister Gabriel hätte per Ministererlaubnis den Weg für die Handelsehe frei machen können, doch das will er nicht. Zu Recht. Denn dafür gibt es keinen Grund. Auch nicht aus Sicht der Kunden. Die vier großen Lebensmittelhändler machen sich heftig Konkurrenz. In kaum einem Land ist die Qualität der Lebensmittel so gut und sind die Preise so niedrig wie in Deutschland. Das liegt am Wettbewerb. Der ist hart, auch weil ständig neue Anbieter hinzukommen. Auch in Zehlendorf. Drei Bio-Supermärkte gibt es hier inzwischen, Aldi, Lidl und Kaufland sind auch da. Der Kunde bleibt König, auch wenn Kaiser’s neue Kleider bekommt.

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